Bewusst leben

20. September 2019

Wie Klimasünder Reue zeigen

Erste Schritte zu einem nachhaltigen Lebensstil

Grönland, Kulusuk: Die Eismassen schmelzen nicht nur hier. Alle können im Alltag einiges   tun, um die Umwelt zu schützen. Foto: Felipe Dana/AP/dpa
Grönland, Kulusuk: Die Eismassen schmelzen nicht nur hier. Alle können im Alltag einiges tun, um die Umwelt zu schützen. Foto: Felipe Dana/AP/dpa
Gibt es einen klimaneutralen Lebensstil? Ja, den gibt es theoretisch aber noch nicht bei uns. Der Durchschnittsdeutsche verbraucht 11,5 Tonnen CO2 im Jahr. Das sind fast 10 Tonnen zu viel, das Klimaziel liegt bei 2 Tonnen pro Kopf. Was also kann man auch langfristig tun, um den Alltag umweltfreundlicher zu gestalten? Wo fängt man an?

„Schritt null für den Klimaschutz ist, zu akzeptieren, dass es mit ein bisschen aufpassen nicht getan ist“, sagt Michael Bilharz vom Umweltbundesamt. Der Großteil der Menschen finde den Umweltschutz gut, im Alltag seien aber viele in Strukturen gefangen, die seit Jahren entstanden sind. Das betrifft das eigene Auto, die große Wohnung und das riesige Kaufangebot. Da heraus kommt man laut Bilharz nur mit neuen politischen Rahmenbedingungen und jedem Einzelnen, der sich mit seinem Verhalten auseinandersetzt.

Einen Überblick, wie viel CO2 man jährlich mit seiner Lebensweise verbraucht, liefert ein CO2-Onlinerechner, etwa der des Umweltbundesamtes. Auf der Seite kann jeder seine Daten zu den wichtigsten Stellschrauben eingeben: Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum. Das Ergebnis: ein persönlicher CO2-Fußabdruck, der zeigt, wie viel Emissionen sich noch einsparen lassen.

In der Wohnung geht es primär um den Strom und die Heizung. „Jeder kann leicht zu einem Ökostromanbieter wechseln“, sagt Seraja Bock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Manchmal sind Ökostromtarife sogar günstiger. „Gleichzeitig sollte man mit Ökostrom das Licht und die Geräte ausschalten, wenn sie nicht benutzt werden“, ergänzt der Experte. Auch bei der Heizung gilt: „Nur die Räume heizen, die man benutzt, und nur so viel, wie man braucht.“ Ratsam ist auch, etwas weniger zu heizen.

Auch der Energieträger und der Dämmstandard eines Hauses tragen dazu bei, wie umweltfreundlich eine Heizung ist. Statt Öl und Gas kann Sonnenenergie für die Wärmeversorgung genutzt werden.

Zu den größten Stromfressern im Haushalt gehören Elektrogeräte. Trotz einer guten Effizienzklasse verbrauchen sehr große Kühlschränke beispielsweise immer noch viel Energie. „Beider Waschmaschine und der Spülmaschine ist es wichtig, sie vollständig zu beladen und niedrigere Temperaturen zu wählen“, sagt Gröger. Eco-Programme laufen zwar länger, benötigen aber nur die Hälfte an Energie, um die gleiche Reinigung zu erbringen.

Flachbildfernseher sind in großen Größen beliebt. „Das führt dazu, dass die Geräte trotz ihrer Effizienzvorteile gegenüber alten Röhrenmonitoren mehr Strom verbrauchen“, sagt Gröger. „Wer über einen Streamingdienst fern sieht, verursacht allein im Netzwerk 100 Kilogramm CO2 pro Jahr.“ Effizienter sei ein Empfang über Antenne oder Satellit.

Energieeffiziente Lampen haben sich mittlerweile durchgesetzt. Räume werden aber oft mit vielen Lichtquellen versehen, die seltener ausgeschaltet werden. „Insgesamt führt dies zu einem Mehrverbrauch“, sagt Gröger.

Der nächste Schritt hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil ist die Mobilität. Die Ursachen für den wachsenden Energieverbrauch und CO2-Emissionen sind laut Gröger steigende Mobilitätsansprüche und größere Fahrzeuge, die viel Sprit verbrauchen. Oft fehlen aber noch Anreize, klimafreundlich unterwegs zu sein. „Wenn man statt dem Auto den öffentlichen Nahverkehr nutzt oder aufs Fahrrad umsteigt, bewegt man sich mehr und das ist gesünder“, nennt Bock einen positiven Nebeneffekt. Und immerhin in Großstädten findet man schon viele Leihwagen. „Unter 10000 Kilometern im Jahr ist Carsharing günstiger als ein eigenes Auto“, rechnet Bilharz vor.

Große Einsparungen bringt der Verzicht aufs Fliegen. „Ein europäischer Flug verursacht ein bis zwei Tonnen CO2, Interkontinentalflüge drei bis fünf Tonnen“, erklärt Bilharz. Die Alternative: Bahn fahren oder Flugreisen kompensieren. Klimaorganisationen wie Atmosfair und MyClimate setzen sich mit den Ausgleichszahlungen für die Umwelt ein.

Bleibt noch die Ernährung: weniger Fleisch, mehr regionale und saisonale Bioprodukte. Dabei warnt Bock, die Ersparnis nicht ins falsche Verhältnis zu setzen: „Wenn man sich vegetarisch ernährt, aber drei bis viermal im Jahr fliegt, ist die Einsparung gering.“

Um den neuen Lebensstil langfristig zu etablieren, hilft es im Übrigen, sich Prioritäten zu setzen. Erst eine Angewohnheit ändern, dann eine andere so wird Klimaschutz nicht als reiner Verzicht wahrgenommen.

EVELYN STEINBACH, DPA

NACHRICHTEN

Konsumforscher: E-Scooter interessant aber noch kein Boom

Sie stehen, liegen und rollen an jeder Ecke: E-Scooter, elektrobetriebene Tretroller, gelten als die Shootingstars des innerstädtischen Verkehrs in Deutschland. Doch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK ergab nun: 70 Prozent der Deutschen haben noch kein Interesse an dem neuen und in Deutschland erst seit Juni zugelassenen Fortbewegungsmittel. Nur fünf Prozent der mehr als 1000 für die Studie befragten Männer und Frauen hätten bis Anfang Juli schon einen E-Scooter getestet - meist zum Freizeitvergnügen und bisher weniger als Alternative für andere Verkehrsmittel. 25 Prozent würden ein solches Gerät gerne mal ausprobieren einerseits, um eine umweltbewusste Fortbewegungsmöglichkeit in der Stadt zu testen, andererseits, um den neuen Trend nicht zu verpassen, wie die Befragten als Hauptgründe angaben. „Wie nachhaltig das Interesse ist und inwiefern E-Scooter einen Beitrag zur Mikromobilität im urbanen Raum leisten können, lässt sich derzeit noch nicht abschließend bewerten“, sagte die GfK-Mobilitäts-Expertin Ines Melzer. Dpa

Indien verkündet vollständiges Verbot von E-Zigaretten

In Indien sind E-Zigaretten künftig komplett verboten: Wer sie herstellt, importiert oder exportiert, lagert oder verkauft, müsse mit hohen Geldstrafen oder einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr rechnen, sagte Finanzministerin Nirmala Sitharaman am Mittwoch. Wiederholungstätern drohten bis zu drei Jahre Haft. Mit ihrer Entscheidung reagiere die Regierung vor allem auf die schädlichen Folgen des Konsums von E-Zigaretten für die Jugend, sagte die Ministerin. „Es ist stark in Mode gekommen, sie auszuprobieren und regelmäßig zu konsumieren“, fügte sie hinzu. Die Regierung erklärte auf Twitter, sie erhoffe sich von dem Verbot eine Verbesserung der „allgemeinen Gesundheit“. Bereits am Dienstag hatte New York als zweiter US-Bundesstaat nach Michigan ein Verbot von E-Zigaretten mit Aromastoffen verhängt, das allerdings solche mit Menthol- oder Tabakgeschmack ausspart. Ein entsprechendes „Notfall“-Gesetz von Gouverneur Andrew Cuomo wurde am Dienstag vom zuständigen Rat für öffentliche Gesundheit und Gesundheitsvorsorge gebilligt. AFP

AUSGEZEICHNET

Umweltpreis 2019 für Forscherin und Reinigungsmittelhersteller

Die Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner von der Technischen Universität München und der Unternehmer Reinhard Schneider aus Mainz sind Träger des Deutschen Umweltpreises 2019 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie erhalten die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Auszeichnung zu gleichen Teilen, wie die Stiftung mitteilte. Kögel-Knabner sei eine der renommiertesten und einflussreichsten Bodenwissenschaftlerinnen der Welt, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Ihr sei es gelungen, die zentrale Rolle des im Vergleich zu Luft und Wasser in seiner Bedeutung „fatal unterschätzten“ Umweltmediums Boden in den Fokus zu rücken. Vor allem habe Kögel-Knabner Antworten geliefert auf die Frage, auf welchen Böden eine Kohlenstoffspeicherung nachhaltig möglich ist, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Schneider habe konsequent ökologische Produkte in einem Massenmarkt mehrheitsfähig gemacht, lebe Nachhaltigkeit in unternehmerischen Entscheidungen und sichere sich so das Vertrauen der Verbraucher. epd
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