Sicherheit in der dunklen Jahreszeit - Wie Eigenverantwortung wahrgenommen wird

Wie das Beuteschema zerstört wird

Wer Zugänge sichert und Gewohnheiten an die Sicherheitslagen anpasst, macht es Einbrechern schwer

Fenster und auch die Terrassentür im Erdgeschoss werden von Einbrechern bevorzugt. Mechanische Sicherungen sind hier besonders sinnvoll. Foto: epr/Winkhaus  
Fenster und auch die Terrassentür im Erdgeschoss werden von Einbrechern bevorzugt. Mechanische Sicherungen sind hier besonders sinnvoll. Foto: epr/Winkhaus  
Von Reinhart Bünger

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht Deutschland beim Kampf gegen Wohnungseinbrüche auf einem guten Weg. „Etwa die Hälfte der Einbrüche scheitert inzwischen. Das zeigt: Unsere Maßnahmen wirken“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zwischen 2015 und 2018 sei die Zahl der Einbrüche um 42 Prozent gesunken. Die Zahl der versuchten und vollendeten Wohnungseinbrüche war laut polizeilicher Kriminalstatistik in den Jahren 2008 bis 2015 kontinuierlich nach oben gegangen und hatte ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Der Höhepunkt lag bei insgesamt 167136 bundesweit erfassten Fällen. Im Jahr 2016 gab es erstmals wieder einen Rückgang, der sich danach fortsetzte. 2018 sank die Zahl der registrierten Fälle unter die Marke von 100000. Dennoch wird etwa alle fünf Minuten in Deutschland eingebrochen, 97504 Fälle zählte das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr.

Die Aufklärungsquote bleibt niedrig. Im Jahr 2018 lag sie bei 18,1 Prozent. Es wurde also noch nicht einmal jeder fünfte versuchte oder vollendete Wohnungseinbruch aufgeklärt.

Die meisten Einbrüche werden laut Polizeiinitiative „Zuhause sicher“ im Winter verübt, wenn die Täter die frühe Dämmerung nutzen. Einige Tipps, um es potenziellen Einbrechern schwerer zu machen:

ZUGANG ERSCHWEREN

Einbrecher handeln meist unter starkem Zeitdruck. Einfache Türen oder Fenster können sie nur mit einem Schraubendreher innerhalb von Sekunden öffnen. Polizei und Sicherheitsexperten raten daher zum gezielten Einbruchschutz: Massive Türblätter, Schlösser mit Aufschraubsicherung oder verankerte Schließbleche erschweren das Einsteigen, sodass die meisten Täter nach wenigen Minuten aufgrund der Entdeckungsgefahr ablassen. Ein Gesamtpaket bieten sogenannte einbruchhemmende Türen und Fenster. Wichtig: Nur ein kleiner Teil der Einbrecher steigt über die Vordertür ein, der Großteil nutzt stattdessen Terrassen- und Balkontüren oder Fenster. Ratsam sind also vor allem auch dort abschließbare Türen, stabile Rollläden sowie Gitter vor häufig gekippten Fenstern.

ZUSCHÜSSE FÜR SICHERHEITSTECHNIK

Wer für sein Haus oder seine Wohnung einen Einbau oder eine Nachrüstung plant, kann sich von der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) über finanzielle Hilfe beraten lassen. Die KfW bezuschusst Investitionen zwischen 500 und 15000 Euro mit bis zu 1600 Euro oder bietet günstige Darlehen. Als besonders effizient und förderfähig gilt Sicherheitstechnik mit DIN-Norm. Die Polizei rät hier zur sogenannten Widerstandsklasse zwei bis drei.

ALARMANLAGEN

Zur Sicherheitstechnik zählen auch Alarmanlagen. Sie können Einbrüche verhindern – gleichwohl aber auch Beute signalisieren. Bei einer sogenannten Fallenüberwachung werden bestimmte Bereiche im Gebäudeinnern durch Bewegungsmelder überwacht. Der Alarm wird dabei erst ausgelöst,wenn Einbrecherschon eingedrungen sind. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Außenhautüberwachung, bei der die Fenster und Türen mit Kontakten ausgestattet werden. Das ist aber relativ teuer. Abschreckend können auch Lichtalarmanlagen wirken, bei denen Bewegungssensoren die Außenbeleuchtung einschalten. Eine vergleichsweise günstige Alternative sind stille Alarmanlagen, die eine Nachricht an das Handy des Bewohners senden.

AUF DETAILS ACHTEN

Alltägliche Gewohnheiten und scheinbare Kleinigkeiten können Tätern die Arbeit erleichtern und sollten überdacht werden. Auch bei kurzer Abwesenheit sollten Fenster komplett geschlossen und Türen fest abgeschlossen werden. Wer abends unterwegs ist, kann Licht im Innern brennen lassen und so Anwesenheit vortäuschen. Sind Bewohner länger nicht da, empfehlen sich dafür Zeitschaltuhren. Es gibt sogar kleine Fernsehsimulatoren, die per LED in unregelmäßigen Abständen ein recht realistisches Fernsehflimmern im Raum erzeugen. Vorsicht ist besonders geboten, wenn etwa Garagen, Pflanzen oder Mülltonnen den Zugang zu höher gelegenen Fenstern oder Balkonen erleichtern. Andere Gegenstände, die als Kletterhilfe dienen können, sollten nicht unachtsam in der Einfahrt oder im Garten liegen gelassen werden.

WERTSACHEN SICHER VERWAHREN

Nicht ständig benötigte Wertsachen sollten möglichst nicht zu Hause, sondern besser in einem sicheren Bankschließfach aufbewahrt werden. Eine Alternative ist ein fest verankerter Tresor. Wertgegenstände sollten zudem mit genauer Beschreibung oder mit Fotos katalogisiert werden. Dies erhöht die Chance der Wiederbeschaffung oder erleichtert zumindest die Schadensmeldung an die Versicherung. Achtung: Die eigene Hausratversicherung muss auch dem aktuellen Hausstand angepasst sein.

VERHALTEN BEI UND NACH EINBRÜCHEN

Für den seltenen Fall, dass einen die Täter zu Hause überraschen, sollte man sich bemerkbar machen, in dem man Lärm verursacht und das Licht anschaltet. Die wichtigste Regel beim Einbruch lautet: die Wohnung möglichst nicht betreten beziehungsweise sie so schnell wie möglich verlassen, sobald der Einbruch bemerkt wird. Fassen Sie nichts an, wischen Sie nichts weg, räumen Sie nichts auf und kehren Sie keine Glassplitter oder Dreck zusammen. Dadurch könnten Spuren zunichtegemacht werden, die die Polizei benötigt, um die Täter zu identifizieren.

Nach Einschätzung der Versicherer könnte die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland auch 2019 und somit das vierte Jahr in Folge zurückgehen. Davon sei nach dem Verlauf der versicherten Einbrüche im ersten Halbjahr 2019 auszugehen, hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitgeteilt. (mit AFP und dpa)

Gelebter Einbruchschutz von Haus zu Haus

So helfen sich Nachbarn gegenseitig

Inzwischen sinkt die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland – aber die Aufklärungsquote bleibt niedrig. Und: Ein guter Einbruchschutz allein kann in der Regel einen Einbrecher nicht abhalten – gerade wenn man selbst verreist ist. „Ihr überquellender Briefkasten in der Urlaubszeit ist ja die Einladung par excellence für den Einbrecher. Denn kann er stundenlang ungestört arbeiten, kann auch Sicherheitstechnik überwinden“, sagt Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Im Interview erklärt der Kriminaloberrat, warum aufmerksame Nachbarn ein wichtiger Schutz fürs Haus sind.

Rüdiger Kottmann/LKA Baden-Württemberg/dpa
Rüdiger Kottmann/LKA Baden-Württemberg/dpa

Harald Schmidt, Chef der Polizeilichen Kriminalprävention

Herr Schmidt, sind aufmerksame Nachbarn wirksamer gegen Einbrecher als ein Sicherheitsschloss an der Haustür?

Aufmerksame Nachbarn sind eine wichtige Säule eines funktionierenden Einbruchschutzes. Das lässt sich auch anhand von Auswertungen, die das bayerische Landeskriminalamt beispielsweise jedes Jahr durchführt, bestätigen. 2017 wurde allein in Bayern aufgrund von Aufmerksamkeit und Zivilcourage immerhin in 336 Fällen ein Einbruch verhindert, 2016 waren es 366 Fälle und 2015 402 Fälle. Das sind beachtliche Werte, die man aber auch in Relation setzen muss. Denn an einem soliden mechanischen Einbruchschutz sind 2017 in Bayern Einbrecher in 1796 Fällen gescheitert. Deswegen muss man schon sagen: Mechanischer Grundschutz sollte nach wie vor an erster Stelle stehen. Die Kombination mit einer Alarmanlage ist sinnvoll, um Einbrecher eher zu entdecken. Zudem müssen Sie aber auch selbst ein sicherheitsbewusstes Verhalten an den Tag legen. Und Sie brauchen eine aufmerksame Nachbarschaft.

Was kann ich als Nachbar zum Einbruchsschutz beitragen?

Es gilt, nicht auf die Abwesenheit hinzuweisen und entsprechende Anwesenheit zu simulieren. Also beispielsweise in einer gut funktionierenden Nachbarschaft sich gegenseitig die Briefkästen zu leeren, die Rollläden rauf- und runterzuziehen, durch Beleuchtung einen bewohnten Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht mähen Sie ja auch mal den Rasen des Nachbarn, sodass man nicht sieht, dass der in der Wachstumsphase zwei, drei Wochen lang nicht da ist. Und man sollte natürlich ein Auge auf das Gebäude haben. Die Berliner Polizei hat eine Zeit lang die eingehenden Notrufe ausgewertet. In diesem Zeitraum erfolgten letztlich 100 Prozent aller Festnahmen von Tätern auf frischer Tat aufgrund des Notrufs eines aufmerksamen Bürgers. Die Polizei kann nicht überall sein, und wir sind daher ein Stück weit auf die Aufmerksamkeit der Bevölkerung angewiesen. Wie reagiere ich als Nachbar richtig, wenn ich einen potenziellen Einbrecher bemerke? Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel 110 gewählt und danach löst sich eine Situation als unberechtigt auf, als wenn man wegschaut und den Nachbarn nicht vor Schaden bewahrt.

Sollte ich versuchen, den Einbrecher auf frischer Tat zu stellen?

Sie sollten den Täter nicht selber stellen. Einbrecher wollen keine Konfrontation. Ihr Ziel ist es, schnell unbemerkt rein ins Gebäude zu kommen und schnell wieder rauszukommen. Man weiß daher nie, inwieweit eine Konfrontation eskalieren kann. Es ist daher besser, die Polizei zu verständigen. Dann die Situation weiterhin aufmerksam beobachten, sich eine Personenbeschreibung gut einprägen, gegebenenfalls Kennzeichen eines Fahrzeugs ablesen und die Fluchtrichtung nachvollziehen. Vielleicht kann man einem Täter auch mit etwas Distanz hinterhergehen und dabei die Verbindung zur Polizei aufrechterhalten. Aber wir möchten nicht, dass die Bevölkerung selbst einschreitet. Das sollte man Kollegen und Kolleginnen überlassen, die dafür ausgebildet sind.

Das Interview führte Simone A. Mayer, dpa
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