Balkon & Garten - Start in den Frühling mit Kübeln und Kästen 

15. April 2018

Hommage an das Unvollkommene

Gebrauchtes Material für Vintagemöbel ist kaum noch zu finden – deshalb wird es neu produziert

Alles paletti. Gemütliche Gartenecke zum Selberbauen: Eine Wand aus Paletten dient hier als Sichtschutz. Foto: frechverlag/dpa-mag  
Alles paletti. Gemütliche Gartenecke zum Selberbauen: Eine Wand aus Paletten dient hier als Sichtschutz. 
Foto: frechverlag/dpa-mag  
Von Judith Jenner

Fast sommerlich muten die Temperaturen auch an diesem Wochenende an. Wer es noch nicht getan hat, entfernt jetzt den letzten Winterschmutz von Gartenstühlen und -bänken, buddelt Beete um und bepflanzt sie.

Auch für ein paar neue Outdoormöbel ist jetzt der richtige Moment gekommen. Doch beim Gartencenter neue Liegestühle einkaufen, das kann jeder. Passionierte Heimwerker werden sich der Herausforderung stellen und selber bauen, worauf sie in den kommenden Monaten die Sonne genießen.

Nach wie vor der Renner: Gartenmöbel aus Kisten und Paletten. Im Internet finden sich in einer fast endlosen Folge Bauanleitungen für Liegeflächen, Sofas, Regale oder Beete. Mit Stichsäge und Akkuschrauber werden aus den einstigen Transportmitteln neue Möbel. Baumärkte bieten inzwischen ganze komplette Bausätze für Gartenmöbelaus Paletten an–samt Anleitung für unterschiedliche Palettenmöbel.

War ein Regal aus Orangenkisten vor zehn Jahren noch der Inbegriff der Studentenbude, hat das sogenannte Upcycling von Gebrauchsmaterialien wie Europaletten oder Weinkisten einen solchen Hype erfahren, dass man die Basismaterialien keineswegs mehr hinterhergeschmissen bekommt.

Paletten bringen ein Pfand von zehn Euro pro Stück  

Weinhändler verdrehen genervt die Augen, wenn sie nach Kisten mit historisch anmutendem Aufdruck gefragt werden – oder bieten sie gleich geschäftstüchtig zum Verkauf an.„ Wir benutzen die Weinkisten eigentlich nur noch zu Dekozwecken“, sagt ein Kreuzberger Weinhändler. „Geliefert werden die Flaschen heute meistens in speziellen Kartons.“

Auch Europaletten bekommen Do-it-yourself-Freunde in der Regel nicht gratis. Genau genommen handelt es sich dabei um ein Tauschgut, dass man zwar auch kaufen kann, das sich aber eigentlich in einem Kreislauf zwischen Lieferant und Handel befindet. In der Regel erhält jeder Lieferant die gleiche Anzahl an Paletten, die er geliefert hat, vom Händler zurück.

Inzwischen kommt es jedoch immer häufiger vor, dass Paletten gestohlen und weiterverkauft werden, weniger um daraus Möbel zu bauen, als vielmehr um ein Pfand von bis zu zehn Euro pro Stück zu kassieren. Der Logistikbranche entstehen durch das Verschwinden der mit Stempeln gezeichneten Leihgüter jedes Jahr hohe Verluste. Sogar wissenschaftlich wurde der Palettenschwund bereits unter sucht: Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik widmet sich in einer empirischen Kostenanalyse dem Tauschverfahren im Europalettenpool und kommt zu dem Ergebnis, dass Diebstahl, aber auch Instandhaltung der Paletten ein bedeutender Kostenfaktor für die Unternehmen sei.

Weinkisten mit Antik-Motiven gibt es neu als Nachbau 

Für die Balkonliege im Vintagelook gibt es sie auch als Nachbauten in Baumärkten, aus denen ganz legal Möbel entstehen können. Auch Einmalpaletten sind eine Option. Sie landen bei vielen Supermärkten eh in der Tonne, sind aus minderwertigem Holz und nicht bearbeitet. Das hat den Vorteil, dass sie weniger mit Schadstoffen belastet sind und sich somit auch gut für Innenräume eignen. Für den Außeneinsatz sind Europaletten hingegen praktischer, da sie stabiler und wetterfest präpariert sind. Bevor eine Palette zum Wohnmöbel wird, sind dennoch mehrere Arbeitsschritte notwendig. Die trockene Palette will gereinigt, ihre Oberfläche geschliffen, gestrichen und lasiert werden, damit sie Wind uns Wetter trotzen kann und keine Splitter pieken. War die Palette vorher Feuchtigkeit ausgesetzt, ist sie eventuell schon morsch, und der Aufwand lohnt sich nicht.

Anstatt das Holz unter Lack oder Latexfarbe zu „ersticken“, empfiehlt das „Gartenhaus-Magazin“ eine Holzlasur auf Wasserbasis.

Auch bei den Weinkisten behelfen sich die Anbieter mit Nachbauten. Aus hellem Kiefernholz bietet Ikea Kisten im Weinboxenstil nach. Einige Hersteller imitieren sogar munter die antiken Aufdrucke. Sie finden sich inzwischen auch auf Laminatböden wieder und wirken dabei so echt wie Stuck im Neubau. 

Upcycling-Gartenmöbel sind oft nicht billiger als Neuwaren 

Das Start-up Weinkisten 24 hat sich auf den Vertrieb von Obst- und Weinkisten, Kartoffel- und Tulpenzwiebelsteigen spezialisiert. Rund zehn Euro aufwärts kosten die Kisten im Internet plus Versand. Teilweise wurden sie nachträglich flambiert und so auf alt getrimmt. „Als ich in der Weinhandlung meines Vertrauens bei einer Verköstigung mit dem Weinhändler sprach wurde mir klar, was ich vorher schon immer dachte: Die Nachfrage nach Weinkisten ist vorhanden – und steigt sogar – ein Angebot gab es aber nicht“, sagte Gründer Florian Wichelmann vor drei Jahren in einem Interview mit dem Internetportal Deutsche Start-ups. Inzwischen hat er sich aus dem Geschäft mit den Kisten zurückgezogen, den Shop gibt es aber weiterhin.

Das Unternehmen Vinterior nimmt dem Nutzer das lästige Streichen und Zusägender Kisten ab. Bei ihm können sie fertige Regale aus Wein- und Obstkisten bestellen. Auch Tische, Sessel, Hocker oder Truhen verschickt der Händler.

Je nachdem, auf welche Weise man ans Baumaterial kommt, muss ein Upcycling-Gartenmöbel nicht immer günstiger sein al sein konventionell gebautes. Umgekehrt lässt sich mit geschickt gearbeiteten Objekten aus Vintagematerialien gutes Geldverdienen. Das zeigt der niederländische Designer Piet Hein Eek. Er versteht sich als Begründer des Upcycling-Trends und baut in einer alten Philips-Fabrik in Eindhoven Möbel, Tapeten und Kunstobjekte aus Holzresten, Fensterrahmen oder alten Metallrohren.

Was den Reiz seiner Stücke ausmacht, ist, dass es sich aufgrund der unregelmäßigen Beschaffenheit des Materials um Unikate handelt, die jeweils ihren eigenen Stil haben. Diese Idee geht jetzt in Serie: Im März erschienen die ersten Piet-Hein-Eek-Möbel in limitierter Auflage bei Ikea.„ Industriell“ heißt die Kollektion und wird als eine „Hommage an das Unvollkommene und Einmalige“ angepriesen.

„Als ich meinen Abschluss an der Designschule machte, gab es einen großen Drang nach Perfektion“, sagt der Designer. „Wenn man Tausende Kopien machte, mussten alle identisch sein, und es gab nichts im Design, das nicht von dem Designer hin eingelegt wurde.“

Eeks Ansatz hingegen ist es, dass sich Objekte persönlicher anfühlen, auch wenn sie im industriellen Prozess entstehen. Neben Stühlen, Tischen, Kissen und Vasen finden sich in der Ikea-Kollektion rein zufällig auch eine Bank und ein Korbsessel, die auf Balkon oder Terrasse sicher bestens zur Geltung kommen.

Die Kunst der unkrautfreien Fuge  

Wer Unkraut in Pflasterfugen von Gartenwegen, Einfahrten und Terrassen mit einem Gasbrenner entfernen will, muss vorher aufräumen. Denn getrocknete Pflanzenreste wie Blätter, Gräser und Zweige würde das Gerät entzünden, erläutert der Deutsche Verband Flüssiggas in Berlin. Außerdem raten die Experten zur Unkrautbeseitigung an einem windstillen Tag. So lässt sich die offene Flamme sicherer und gezielter einsetzen. Wichtig: dabei nicht rauchen.

Unkrautbrenner, auch Abflammgeräte genannt, sind eine Alternative zum Entfernen unerwünschter Pflanzen auf gepflasterten oder geteerten Bereichen. Damit werden die Pflanzen nicht direkt verbrannt. Es wird nur auf eine recht hohe Temperatur erhitzt, was das Eiweiß gerinnen lässt und die Zellwände zerstört. Der Arbeitskreis Wasser- und Pflanzenschutz rät sogar dazu, die Pflanzen nicht zu stark mit den Brenngeräten zu bearbeiten. Für den Erfolg ist das richtige Entzünden und Abbrennen nicht nötig, es erhöht lediglich die allgemeine Brandgefahr.

Mit Chemie darf Unkraut am Rande von Bürgersteigen und sonstigen Gehwegen, privaten Hofflächen und Zufahrten zum Grundstück aus Gründen des Umweltschutzes nicht entfernt werden. Das kann ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50000 Euro zur Folge haben. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat war zwar 2017 in der EU nach monatelangem Streit für weitere fünf Jahre zugelassen worden, steht jedoch im Verdacht, krebserregend zu sein.

Eine weitere zulässige und kostengünstige Alternative ist die Handarbeit mit dem Fugenkratzer, der gezielt die Pflanze samt Wurzeln aus dem Boden holt. Stahlbürsten zerstören das Grün, zugleich reißen sie die Pflanze aus dem Boden. Nicht anwenden sollte man die Bürste auf kratzempfindlichen Untergründen, erklärt der Arbeitskreis.

Er rät außerdem zu heißem Wasser: Es schädigt die Pflanzen, die dann mithilfe eines festen Besens entfernt werden. Der Vorteil: Auch Wurzelstücke, die im Boden bleiben, und verstreute Samen erleiden durch das Kochwasser Schaden, was weniger neue Unkräuter sprießen lässt. Hochdruckreiniger haben einen ähnlichen Effekt. Doch die Geräte sind so kraftvoll, dass sie loses Fugenmaterial auf Gehwegen, Terrassen und Garageneinfahrten wegspülen können. Simone A. Mayer, dpa

NACHRICHTEN  

Für Petersilie die Bodentemperatur beachten

Sie darf in keinem Kräutergarten fehlen: Petersilie (Petroselinum crispum) ist ein echter Klassiker. Wer das Würzkraut im Frühjahr nicht zum ersten Mal aussät, sollte darauf achten, einen neuen Standort zu suchen, rät der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG). Denn Petersilie darf nur alle vier Jahre auf der gleichen Stelle stehen. Ansonsten liebt die Pflanze das Mittelmaß: weder tiefen Schatten noch pralle Sonne – weder Trockenheit noch Staunässe. Ein bisschen Fingerspitzengefühl ist also gefragt. Für ausreichend Nährstoffe empfiehlt der BDG, den Boden vor der Aussaat mit etwas Kompost oder anderem organischen Dünger vorzubereiten. Tierische Dünger wie Mist gefallen der Petersilie dagegen gar nicht. dpa

Aus altem Gartenschlauch Schnittschutz für Klingen herstellen

Einen alten Gartenschlauch sollte man nicht wegwerfen. Teile davon lassen sich zum Schutz der scharfen Klingen von Äxten, Hacken oder Sägen nutzen. Dazu wird der Schlauch passend abgeschnitten und der Länge nach aufgeschlitzt, erläutert die DIY Academy. Dann den aufgeschlitzten Schlauch über die Klinge ziehen. dpa

Geranien brauchen 20 Zentimeter Abstand zum Topfnachbarn

Geranien brauchen Platz. Sie sollten in einem Balkonkasten mindestens 20 Zentimeter Raum zum Nachbar erhalten, rät die Initiative Pelargonium for Europe. Auch sollte das Gefäß möglichst tief sein, damit die Wurzeln der Pflanze sich ausbreiten können. Geranien mögen einen sonnigen bis halbschattigen Platz. dpa

Blumenerde sollte im Frühjahr ausgetauscht werden

Blumenerde im Topf gibt im Laufe einer Gartensaison alles. Daher sollte sie im Frühjahr stets gegen frische ausgetauscht werden, rät der Bundesverband Einzelhandelsgärtner in Berlin. Denn ausgelaugtes, klumpiges oder grundsätzlich minderwertiges Substrat führt dazu, dass sich die Pflanzen auf Dauer nicht gut mit Nährstoffen und Wasser versorgen können. Außerdem bleiben womöglich Keime und Schädlinge aus dem Vorjahr im Substrat zurück und befallen das neu eingesetzte Grün. dpa
Roland Riedel Garten- und Landschaftsbau
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