Sicherheit in der dunklen Jahreszeit - Wie man das Einbruchsrisiko verringert

Schlaues Haus mit Schwachstellen

Schlaues Haus mit Schwachstellen Smarte Technik kann vor Einbrechern schützen. Versicherer belohnen Kunden, die ihr Heim mit Sensoren ausstatten. Doch Experten warnen vor Cyberangriffen 

Digital gesteuert. In fast drei Millionen der deutschen Haushalte sind derzeit Smart-Home-Technologien im Einsatz. Foto: Sven Hoppe/dpa 
Digital gesteuert. In fast drei Millionen der deutschen Haushalte sind derzeit Smart-Home-Technologien im Einsatz. Foto: Sven Hoppe/dpa 
Von Jürgen Hoffmann

Jetzt beginnt die Hochsaison der Einbrecher. Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, müssen Türen und Fenster in Häusern und Wohnungen besonders gut gesichert sein. Statistisch gesehen, wird in Deutschland alle vier Minuten eingebrochen, meist in der Abenddämmerung, wenn noch niemand zu Hause ist. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden 2016 bundesweit rund 151000 Einbrüche gemeldet, ein Jahr zuvor waren es 167000. Ein Grund für den leichten Rückgang der Zahlen, sagen Experten: Immer mehr Immobilien sind mit technischen Sicherungssystemen ausgestattet, Stichwort: Smart Home.

Abschließbare Fenstergriffe und massive Eingangstüren, Querriegelschlösser und Pilzkopfzapfenbeschläge alleine reichen nicht, um ein Heim vor ungebetenen Gästen zu sichern. Solche Maßnahmen stellen für professionelle Einbrecher nur kleinere Hürden auf ihrem unerlaubten Weg in eine Wohnung dar. Im digitalen Zeitalter sollten Haus- und Wohnungsbesitzer elektronische Lösungen ins Auge fassen. Ein „intelligentes“ Zuhause verspricht neben mehr Komfort auch mehr Sicherheit. Das dürfte viele Deutsche freuen, denn laut einer Umfrage des Hausgeräteherstellers Bosch ist für 60 Prozent der Bundesbürger Sicherheit ein ganz wichtiges Argument für Investitionen in ein smartes Zuhause.

Die Industrie hat reagiert. Großunternehmen wie Bosch und Philips, aber auch Anbieter von Netzwerktechnik und Spezialisten für Hausautomation haben Systeme entwickelt. Ein Beispiel: Licht schreckt Einbrecher ab. Zeitschaltuhren, die zwischen Steckdose und Lampe installiert werden, gaukeln Dieben vor, die Bewohner seien zu Hause. Solche Lösungen gibt es auch für elektrische Rollläden, die Fenster und Türen zusätzlich sichern. Lärm mögen Einbrecher ebenfalls nicht – wenn sie ihn auslösen. Deswegen empfehlen Sicherheitsexperten Alarmanlagen, die per Draht- oder Funkverbindung installiert werden – insbesondere Modelle, die automatisch einen Notruf bei der Polizei absetzen. Und es gibt mittlerweile Überwachungskameras, die eine Nachricht aufs internetfähige Handy senden, sobald ein Unbefugter in den Radius der Kamera tritt. Einige Hersteller setzen dabei nicht auf das W-LAN, denn das kann mit einem Störsender lahmgelegt werden. Sie favorisieren Systeme, die die Daten über das vorhandene Stromnetz senden. Die Vorteile: weniger Installationsaufwand bei erhöhter Sicherheit.

Vernetzte Hausgeräte sind für Hacker eine leichte Beute  

Derzeit sind erst etwa sieben Prozent der rund 40 Millionen privaten Haushalte in Deutschland mit Smart-Home-Technologie ausgestattet. Eine Untersuchung des Onlineportals Statista, das Daten von Markt- und Meinungsforschungsinstitutionen verwendet, geht in den kommenden fünf Jahren von einer „Vervierbis Verfünffachung“ des Geschäfts aus. Der Digitalverband Bitkom ist vorsichtiger: Er schreibt in seiner Studie „Smart Home in Deutschland“, dass sich digitale Sicherheitspakete für zu Hause mittelfristig „am Massenmarkt durchsetzen werden“. Dazu beitragen könnte die Versicherungswirtschaft. Viele Unternehmen der Branche honorieren es, wenn ein Haus- oder Wohnungsbesitzer seine vier Wände elektronisch sichert. Einige Gesellschaften kooperieren sogar mit Herstellern, subventionieren die Anschaffung von Sicherheitspaketen oder gewähren Rabatte auf die Beiträge, wenn Kunden ihre Immobilie sicherer machen. So bietet Generali im Rahmen der Hausratversicherung das sogenannte Domocity-Gerätepaket an. Das umfasst neben der Zentraleinheit, Alarmsirene, Wassermelder, der frühzeitig einen Defekt an der Waschmaschine erkennt, zwei Tür- und Fensterkontakte sowie eine Schalt- und Messsteckdose.

Das Schwesterunternehmen Cosmos-Direkt hat ein Starterpaket im Angebot. Beim Direktversicherer ist das sogenannte Control-Set, das „Herz“ der Anlage, beim Abschluss einer Hausratversicherung kostenfrei. Auch AXA und die Provinzial arbeiten mit Smart-Home-Anbietern zusammen, HDI nicht. Zwar hat die Gesellschaft aus Hannover seit Mai eine neue Hausratversicherung, die den Einsatz von Smart-Home-Systemen zum Überwachen des Haushalts mit einem fünfprozentigen Rabatt auf die Grunddeckung honoriert, aber als Vermittler von Systemen tritt sie nicht auf.

Finanzielle Unterstützung kommt auch von anderer Seite: Seit März können Haus- und Wohnungseigentümer bei der staatlichen KfW-Gruppe für Investitionen in Gebäudesicherheit ab 500 Euro Zuschüsse von zehn Prozent beantragen. Vor allzu großer Euphorie der Immobilienbesitzer warnt Bernhard Gause, Mitglied der Geschäftsführung im GDV: „Viele wiegen sich in einer gefährlichen Scheinsicherheit.“ Warum? Smart-Home-Systeme sollen verhindern, dass Diebe problemlos in Wohnräume eindringen. Doch gerade die dafür verwendete Technologie könnte anderen Einbrechern Tür und Tor öffnen: den Cyberkriminellen. Diese suchen und finden im Netz eines smarten Hauses Maschen, durch die sie hineinschlüpfen können. Viele Angriffsflächen bietet dabei das Internet der Dinge, also vernetzte Hausgeräte, sei es der Kühlschrank, der Fernseher oder die Babyphones, die autark miteinander kommunizieren und Aufgaben erledigen.

Thomas Walch von der französischasiatischen TAO Group, die eine Software-Plattform für Lampen und Leuchtmittel betreibt, hat auf der IFA2017 viele kritische Fragen zur Sicherheit des Internets der Dinge gehört. Er rät Interessenten, „sich mit dem Sicherheitskonzept der Anbieter zu befassen“. Bewährt habe sich etwa, jedes einzelne Leuchtmittel separat an eine Cloud anzubinden. Das erschwere Hackern ihre Arbeit erheblich.

Ferien-Checkliste: Diebe achten auf Details 

Verreist? Einbrecher beobachten Häuser oft tagelang, um herauszufinden, ob die Bewohner im Urlaub sind. Foto: imago/Westend61
Verreist? Einbrecher beobachten Häuser oft tagelang, um herauszufinden, ob die Bewohner im Urlaub sind. Foto: imago/Westend61
„Durchschnittlich 17 Mal pro Stunde wird irgendwo in Deutschland eingebrochen. Die Aufklärungsquote liegt bei unter 20 Prozent“, sagt Annett Engel-Lindner, Rechtsanwältin und Fachreferentin für die Immobilienverwaltung beim Immobilienverband IVD. Vor allem in der Ferienzeit erhöht sich das Einbruchsrisiko. Mieter und Eigentümer sollten ihr Zuhause entsprechend sichern. Damit nach dem wohlverdienten Urlaub keine böse Überraschung zu Hause wartet, hat der IVD eine Checkliste zum Thema Einbruchsschutz erstellt. „Wer einfach nur die Tür verriegelt und sich keine Gedanken über weitere Schutzmaßnahmen macht, läuft Gefahr, in den Fokus von Einbrechern zu geraten. Mit ein paar kleinen Tipps und Vorkehrungen lässt sich das Einbruchsrisiko verringern“, sagt Engel-Lindner.

Sind alle Fenster und Türen intakt?

Der wichtigste Punkt ist eine sachgemäße Verriegelung der Wohnung. Fenster und Türen müssen fest verschlossen sein. „Dabei ist vorab zu prüfen, ob alle Schließmechanismen intakt und stabil sind. Ein defektes Fenster ist geradezu eine Einladung für Verbrecher“, so die Fachreferentin. Das Gleiche gilt für Sonderschließanlagen. Diese sind sehr hilfreich, doch oft vergessen Bewohner, diese vor dem Urlaub zu aktivieren und zu überprüfen.

Sind vertraute Personen informiert?

Eine ganz entscheidende Maßnahme aber ist die Außenwirkung des Hauses oder der Wohnung während der Abwesenheit. Einbrecher beobachten Wohnungen teilweise tagelang, um herauszufinden, ob die Bewohner im Urlaub sind. Beispielsweise weist ein überquellender Briefkasten auf Abwesenheit hin. Eine vertraute Person sollte diesen deshalb regelmäßig leeren und auch ab und an die Rollläden oder Gardinen öffnen und das Licht einschalten. „Ein solches Vorgehen impliziert bei einem Einbrecher, dass das Haus bewohnt ist“, erklärt Engel-Lindner. Eine eingebaute Zeitschaltuhr für die Lichtquellen kann ebenfalls Anwesenheit simulieren.

Ist der Anrufbeantworter abgestellt?

Vernachlässigt werden oft die Fußmatten, die in der Wohnung liegen sollten. „Gerade in Mehrfamilienhäusern gibt es Reinigungsdienste, die während der Säuberung die Fußmatte nach oben klappen. Wenn diese nun länger hochgeklappt bleibt, ist eindeutig sichtbar, dass die Bewohner nicht zu Hause sind“, so Engel-Lindner. Auch auf den Anrufbeantworter sollte geachtet werden. Ist dieser eingeschaltet oder sogar mit einer lustigen Urlaubsabwesenheit versehen, haben Einbrecher ein leichtes Spiel.

Vor-Ort-Sicherheitscheck durchgeführt?

„Wer in der Urlaubszeit auf keinen Nachbarn oder Bekannten zurückgreifen kann und sich lieber auf die Technik verlassen möchte, kann seine Fenster und Türen auch mittels Sensoren oder digitaler Türspione überwachen. Und das geht ganz leicht über eine App auf dem Handy“, sagt Michael Bräuer Bereichsleiter Marketing bei der ABUS August Bremicker Söhne KG. Wer sich hinsichtlich seiner Sicherungseinrichtungen unsicher sei, sollte auf einen Vor-Ort-Sicherheit-Check einer auf Sicherheitstechnik spezialisierten Firma zurückgreifen. „Die Experten besichtigen ihre Wohnung oder das Haus vor Ort und können so Sicherheitsmängel erkennen und beseitigen helfen“, sagt Bräuer.

Sind alle Wertsachen weggeschlossen?

Sollte es trotzdem zu einem Einbruch kommen, ist es wichtig, dass Wertgegenstände in Bankschließfächern liegen und nicht offen auf dem Schreibtisch. „Der Einbrecher darf es nicht leicht haben, Wertgegenstände zu finden. Eine sichere Aufbewahrung von Schmuck, Laptop und anderem wertvollen Besitz ist ein effektiver Schutz vor Diebstahl“, erläutert Engel-Lindner. Tsp

Nachrichten

Studie: Dämpfer für Software zur Vorhersage von Einbrüchen

Einbrüche lassen sich nur bedingt vorhersagen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Freiburger Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht über das Kriminalitätsvorhersagesystem „Precobs“. In ländlichen Gebieten, in denen Wohnungseinbrüche seltener als in Großstädten vorkommen, lohne sich der Einsatz nicht, hieß es in der Untersuchung. „Die Software ist zwar nicht nutzlos, aber kein Werkzeug, mit dem die Fallzahlen per Mausclick reduziert werden können“, sagte Forscher Dominik Gerstner. „Precobs“ wird mit Daten gefüttert, die von vorangegangenen Einbrüchen stammen: Tageszeit des Einbruchs, Art der Beute, Vorgehen der Täter oder Tatort.

Da Kriminelle nach Erkenntnissen der Polizei oft nach dem gleichen Muster vorgehen, hatten sich die Behörden von „Precobs“ Vorhersagen für künftige Delikte versprochen – und gehofft, damit mehr Einbrüche verhindern zu können. Die Prognosesoftware war ab November 2015 sechs Monate im Rahmen eines Pilotprojektes in den Regionen Karlsruhe und Stuttgart getestet worden. dpa

Verband: Für Einbruchschutz braucht es Standard RC 2 oder höher

Über Türen oder Fenster versuchen Einbrecher, in Wohnungen oder Häuser zu gelangen. Die sogenannte „Resistance Class“ (RC – übersetzt „Widerstandsklasse“) gibt an, wie gut Türen oder Fenster Einbruchsversuchen standhalten. Der Verband Fenster + Fassade rät Privathaushalten mindestens zu RC 2. Fenster können zum Beispiel durch Sicherheitsbeschläge mit Pilzkopfverriegelungen und passenden Sicherheitsschließblechen sowie Sicherheitsverglasung geschützt sein. Die Widerstandsklasse gibt dem Verband zufolge an, wie gut alle Sicherheitsfunktionen eines Fensters oder einer Tür zusammengefasst Einbrecher abwehren können. dpa

Bei verdächtigen Beobachtungen immer 110 rufen

Aufmerksame Nachbarn sind gute Helfer beim Einbruchschutz. Die Polizei rät grundsätzlich dazu, verdächtige Beobachtungen zu melden. Selbst wenn ein Einbruch dadurch nicht verhindert werden kann, kann eine Beobachtung eventuell bei den Ermittlungen helfen. Dafür sollte man aber immer die bundesweite Notrufnummer 110 wählen und nicht zum Beispiel die Durchwahl des örtlichen Polizeireviers, erklärt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Angst vor einem falschen Alarm müsse niemand haben. dpa
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