Great place to work

10. März 2018

Mitsprache und Transparenz

Attraktive Arbeitgeber mit ansprechender Firmenkultur sind letztlich auch erfolgreicher  

Volltreffer: Antje Sakreida (links) und Hannah Bolch von Scandic Hotels freuen sich über zwei Awards. Foto: Konstantin Gastmann
Volltreffer: Antje Sakreida (links) und Hannah Bolch von Scandic Hotels freuen sich über zwei Awards. 
Foto: Konstantin Gastmann
Die Zeiten sind eigentlich längst vorbei, in denen Firmen nur als Arbeitsstätten mit streng hierarchischen Strukturen dienen. In Deutschland herrscht zunehmend Fachkräftemangel, Unternehmen wetteifern um die besten Köpfe.

Wer attraktive Arbeitgeber sucht, war bei der Preisverleihung des Wettbewerbs Great Place To Work genau richtig. Denn hier stellten sich die Gewinner und somit besten Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg vor. Der Wettbewerb zeigt: Mitarbeiterorientierte Firmen sind im Schnitt auch erfolgreicher als andere Unternehmen. Alle Preisträger bewerten ihre Gewinnentwicklung im Branchenvergleich als positiv und bauen ihre Stellen kontinuierlich aus. Und sie bieten dafür Anreize. Denn sie wissen: Gutes Fachkräfte-Personal wird zunehmend rar.

Satt, sauber, trocken reicht nicht
Auf dem Podium: Karolin Hurich von der Mercedes-Benz Bank Berlin, Matthias Meifert von der HRpepper Unternehmensberatung Berlin und Christian Seifert von Reha Vita Cottbus (von links).
Auf dem Podium: Karolin Hurich von der Mercedes-Benz Bank Berlin, Matthias Meifert von der HRpepper Unternehmensberatung Berlin und Christian Seifert von Reha Vita Cottbus (von links).
Von Fachkräftemangel kann der Altenpflegedienst domino-world aus Birkenwerder ein Lied singen. Das Unternehmen mit 650 Mitarbeitern und zwölf Einrichtungen sucht händeringend nach geschulten Mitarbeitern. Dabei gibt es hier so gut wie keine Fluktuation – wie in der Branche eigentlich üblich. Denn bei domino-world wird nach dem Motto gearbeitet: „Satt, sauber und trocken reicht nicht.“ Von dem Modell profitieren vor allem die Bewohner, aber auch die Mitarbeiter gehen motiviert an die Arbeit. Gekrönt wurde das Pflegekonzept mit dem Sieg in der Kategorie ab 250 Mitarbeiter: „Wir sehen uns nicht als Altenpfleger, sondern als Therapeuten in einem großen funktionierenden Team, das aus Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern besteht. Es ist wie beim Fußball: Der Trainer kann ohne die Mannschaft nicht das Spiel gewinnen“, sagt Angelika Kühn, die eine Einrichtung in Oranienburg leitet.

Mitarbeiter entscheiden selbst

 Auf dem Foto (von links) B. Krüger, J. Kerwer und S. Gerhardt.
 Auf dem Foto (von links) B. Krüger, J. Kerwer und S. Gerhardt.
 Teamwork, Unternehmenskultur und Transparenz: Schlagworte, die häufig bei der Preisverleihung fielen. Umgesetzt werden sie beidem Berliner IT-Beratungsunternehmen status C, Sieger in der Kategorie mit weniger als 50 Beschäftigten. Denn die Firma arbeitet nach einem Modell, das jeden Mitarbeiter in alle Entscheidungen einbindet: „Wir haben keine Prinzipien, lediglich ein paar Regeln“, erläutert Vorstand Andreas Walter. In der Praxis heißt das: Mitarbeiter entscheiden selbst, welche Arbeitsmittel sie benötigen, wann sie im Home-Office sind oder wie und ob sie sich weiterbilden. Rückschläge gehören zum Arbeitsalltag. Aber: „Ob ich als Chef den Fehler mache oder der Praktikant, ist letztendlich egal.“ Entscheidend sei die eigenverantwortliche Fehlervermeidung. Diese Eigenständigkeit sei für einige ein Lernprozess gewesen, der sich jedoch längst auszahle: „Es geht der Firma immer besser, wir können mehr Leute einstellen und unsere Mitarbeiter haben Spaß an der Arbeit.“

Steuerung wie vom Sofa daheim 

Preis für Projektron: Der Berliner Software- Entwickler und IT-Berater ist bereits zum fünften Mal beim Wettbewerb erfolgreich.
Preis für Projektron: Der Berliner Software- Entwickler und IT-Berater ist bereits zum fünften Mal beim Wettbewerb erfolgreich.
Auch das Berliner Beratungsunternehmen HRpepper gehört zu den Ausgezeichneten und praktiziert eine offene Feedback-Kultur. Das Leitmotiv skizziert Gründer und Geschäftsführer Matthias Meifert: „Bei uns trifft nicht die Führungsriege alle Entscheidungen, sondern jeder Mitarbeiter wird eingebunden. Jeder sollte so handeln, als ob er zu Hause auf dem Sofa sitzt und dort die Prozesse lenkt.“ Das könne auf die Firma übertragen werden. Beides erfordere Fingerspitzengefühl. Auch unliebsame Themen wie Datenschutz werden gemeinsam mit allen „Peppers“, wie die Mitarbeiter heißen, diskutiert. 

Die Familie wird einbezogen 

Scandic Hotels Deutschland wurden sogar zweimal prämiert. Die skandinavische Hotelkette durfte sich über den zweiten Platz in der Kategorie ab 250 Mitarbeiter freuen und wurde vor allem für seine Willkommenskultur und ausgewogene Work-Life-Balance ausgezeichnet. Human Resources Managerin Antje Sakreida, selbst Mutter zweier Kinder, erläutert das Erfolgsrezept: „Wir vermeiden Überstunden. Mitarbeiter mit Familie arbeiten regelmäßig im Home-Office. Auch wird die Familie der Mitarbeiter in Firmenentscheidungen einbezogen – sei es ein Umzug oder eine neue Position. Das ist nicht selbstverständlich in unserer Branche.“

Beatrix Altmann

Voller Saal: Andreas Schubert (re.), Geschäftsführer von Great Place To Work, führt durch den Abend (unten). Fotos (4): Konstantin Gastmann
Voller Saal: Andreas Schubert (re.), Geschäftsführer von Great Place To Work, führt durch den Abend (unten). Fotos (4): Konstantin Gastmann

Erfolgreich und fit  

Erfolgreich und fit  

Beste Arbeitgeber in Berlin-Brandenburg 2018
Rund 60 Fragen sind von den Mitarbeitenden der Unternehmen zu beantworten. Die Tabelle zeigt eine Auswahl mit den Ergebnissen aus 13 Kernfragen. In allen Bereichen schneiden die ausgezeichneten Arbeitgeber in Berlin-Brandenburg des Jahres 2018 deutlich besser ab als der repräsentative Durchschnitt in Deutschland. Auswertung/Tabelle: GPTW 
Wie reden Mitarbeiter über ihren Arbeitgeber? Welche Urteile werden transportiert und sind damit entscheidend bei der Rekrutierung von neuem Personal? Die Tendenz ist eindeutig: Das Personal ausgezeichneter Firmen bewertet den eigenen Arbeitgeber deutlich besser.

Bei den von Great Place To Work seit 2002 in Deutschland durchgeführten Befragungen stellt sich glasklar heraus: Unternehmen, die in den vergangenen Jahren als „Beste Arbeitgeber“ ausgezeichnet wurden, können auf eine zufriedenere und auch motiviertere Belegschaft zählen. Rund 60 Fragen sind bei der Erhebung zu beantworten (siehe nebenstehende Tabelle). Und die Zustimmungswerte liegen in allen Bereichen über dem repräsentativen Durchschnitt in Deutschland.

Weniger krank und länger an Bord

Mal abgesehen von der grundsätzlichen Zufriedenheit, der Leistungsbereitschaft oder auch der Weiterempfehlung des eigenen Unternehmens sind Mitarbeitende durch eine bessere Partizipation und Einbindung deutlich weniger krank oder im Schnitt länger an die Organisation gebunden. „Die Flukatuation liegt mit nur vier Prozent weit unter dem bundesweiten Durchschnittswert“, bilanziert Andreas Schubert, Geschäftsführer von Great Place To Work. Und bei den Krankheitstagen kommen ausgezeichnete Firmen auf einen Wert von 10,4 Tagen im Jahr pro Mitarbeiter, während es bundesweit 19 Tage sind. „Das sind beeindruckende Zahlen mit letztendlich starken wirtschaftlichen Auswirkungen“, so Schubert. Allerdings: Viele Branchen haben erkannt, dass sie in einer rasant durch die Digitalisierung veränderten Arbeitswelt auch das Umfeld für die eigenen Mitarbeiter anpassen müssen. Um vor allem die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz langfristig sicherzustellen.

Beatrix Altmann
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