Sicherheit im Sommer - Gefahren drohen nicht nur in der dunklen Jahreszeit

Bei jedem kann etwas abhanden kommen

Auch wer vermeintlich wenig Wertvolles besitzt, sollte sich gegen Einbrüche schützen

Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht bundesweit zurück. Grund für die Entwicklung ist die zunehmende technische Aufrüstung von Wohnungen und Häusern. Wirksamen Widerstand gegen unliebsame Eindringlinge leisten einbruchhemmende Rollläden, die bei über schaubaren Mehrkosten ein dickes Plus an persönlicher Sicherheit bieten. Foto: BVRS/txn  
Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht bundesweit zurück. Grund für die Entwicklung ist die zunehmende technische Aufrüstung von Wohnungen und Häusern. Wirksamen Widerstand gegen unliebsame Eindringlinge leisten einbruchhemmende Rollläden, die bei über schaubaren Mehrkosten ein dickes Plus an persönlicher Sicherheit bieten. Foto: BVRS/txn  
Man stelle sich vor: Man sitzt am Strand, und das Telefon klingelt. Die Polizei ist dran. Einbrecher haben das Zuhause verwüstet. Der schönste Urlaub ist dann ruiniert. Das Dumme an der Sache: Allzu oft laden Urlauber die Verbrecher sogar nach Hause ein, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Fatal können etwa beschriftete Schilder am Koffer oder heruntergelassene Rollläden sein. Einbrecher lieben zwar die dunklen Jahreszeiten Herbst und Winter. Doch die Verbrecher schlagen nicht nur abends und nachts zu.

Woran erkennen Einbrecher, dass mein Haus ein guter Ort für den Einbruch ist?

Es gibt ganz große Fehler, die Sie machen können – nämlich kein sicherheitsbewusstes Verhalten an den Tag zu legen. Wenn man etwa Hinweise auf Abwesenheit gibt wie überquellende Briefkästen oder die tagsüber verschlossenen Rollläden. Das sind letztlich alles Signale und Einladungen. Auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter oder in den sozialen Netzwerken, dass man im Urlaub ist, zählt dazu. Oder der Abwesenheitsassistenz des E-Mail-Programms und das Kofferschild. Bei letzterem gilt der Tipp, dass man die Adresse verdeckt am Gepäckstück anbringen sollte, so dass Umstehende am Flughafen nicht lesen können: Der Harald Schmidt ist im Urlaub.

Viele sagen sich: „Ich habe doch nichts besonders Wertvolles.“ Gibt es Menschen, die besonders für Einbrüche gefährdet sind?


Das ist der größte Irrtum, dem die Menschen unterliegen. Denn es kann bei jedem was abhanden kommen – und zwar ihr Sicherheitsgefühl. Untersuchungen haben ergeben, dass fast jedes vierte Opfer eines Wohnungseinbruchs sich anschließend mit dem Gedanken eines Umzugs trägt, weil das Unwohlsein-Gefühl so groß geworden ist. Aber die wenigsten können sich das finanziell leisten. Und sie müssen bedenken: Es werden häufig auch Erinnerungen gestohlen, die von einer Versicherung nicht ersetzbar sind, weil sie einen emotionalen Wert haben. So etwas ist unwiederbringbar weg.

Wenn ich keine Zeit vor der Abreise oder kein Geld für große Nachrüstungen habe, wie kann ich mich auf die Schnelle etwas besser schützen?

Zunächst gilt es, eben keine Hinweise auf Abwesenheit zu geben. Man kann Nachbarn bitten, den Briefkasten zu leeren, die Rollläden abends zu schließen und morgens zu öffnen. Wer dafür niemanden hat, kann eine Anwesenheitssimulation mit einer Zeitschaltuhr einrichten. Sie schaltet etwa in regelmäßigen Abständen das Licht an und aus. Damit der Briefkasten während Ihres Urlaubs nicht überquillt, können Sie auch einen Lagerservice beauftragen. Das sind kurzzeitig realisierbare Maßnahmen.

Foto: Rüdiger Kottmann/dpa
Foto: Rüdiger Kottmann/dpa
Harald Schmidt ist der Leiter der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.








Stimmt es denn eigentlich, dass Einbrecher vor allem die Ferienzeit ausnutzen?

Diesen Zusammenhang können wir nicht herstellen. Entgegen der landläufigen Meinung erfolgen Einbrüche häufig zur Tageszeit, zum Beispiel während einer kurzen Abwesenheit des Bewohners, so etwa zur Schul-, Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. Wir raten Ihnen daher unabhängig von der Fahrt in den Urlaub zur richtigen Sicherung Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses. Das heißt zu richtig aufeinander abgestimmter mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik sowie einem sicherheitsbewussten Verhalten. Sie können sich über die Webseite www.k-einbruch.de der Polizei informieren, dort bekommen Sie produktneutrale Informationen. Darüber hinaus gibt es die kostenlosen kriminalpolizeilichen Beratungsstellen.

Was können Mieter tun?

Der Mieter braucht für Nachrüstungen natürlich die Zustimmung des Eigentümers. Vermieter müssen erkennen, dass es zur Attraktivität eines Mietobjektes beiträgt, nicht nur Tageslichtbad oder eine Einbauküche zu vermieten, sondern auch Sicherheit.

Sind Herbst und Winter besonders beliebt bei Einbrechern?

Einbrecher wollen nicht entdeckt werden. Deshalb spielt die dunkle Jahreszeit ihnen natürlich in die Hände. Unabhängig davon raten wir aber zu jeder Zeit zur richtigen Sicherung von Wohnung oder Haus. Entgegen landläufiger Meinung erfolgen Einbrüche häufig zur Tageszeit – zum Beispiel, während man auf Arbeit ist und die Kinder in der Schule sind–, am frühen Abend oder an den Wochenenden.

Was zieht Einbrecher an?

Generell machen gekippte Fenster, nicht abgeschlossene Wohnungstüren oder Einstiegshilfen wie Mülltonnen oder Leitern das Eindringen leicht. Einbrüche in Einfamilienhäuser erfolgen meist über die Fenstertüren und Fenster und weniger häufig über Haustüren und Keller. Bei Mehrfamilienhäusern wählen Einbrecher ihren Weg zumeist über die Wohnungseingangstüren. Doch auch hier verschaffen sie sich über leicht erreichbare Fenster und Fenstertüren Zutritt.

Was können Bewohner tun, um Einbrecher abzuschrecken?

Insbesondere bei einbrechender Dunkelheit ist es wichtig, dass das Haus oder die Wohnung einen bewohnten Eindruck macht, etwa durch Licht. Hier können Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder helfen. Außerdem gibt es ein paar grundlegende Verhaltensregeln. Dazu zählen: Immer die Haustür abschließen, Fenster nicht gekippt lassen, den Schlüssel nie draußen verstecken. Einbrecher finden jedes Versteck.

Schrecken Kamera-Attrappen oder Menschenpuppen Einbrecher ab?

Attrappen sind nicht sinnvoll: Sie bringen keine ausreichende Sicherheit. Einbrecher, die sich etwas auskennen, erkennen diese Scheinsicherheit schnell.

Wie sollte man Haus oder Wohnung aufrüsten, damit Einbrecher bei einem Einbruchversuch chancenlos bleiben?

Mit sicherheitsbewusstem Verhalten alleine ist es nicht getan. Bereits einfache bauliche und technische Maßnahmen können das Einbruchsrisiko erheblich reduzieren. Bei Neu- und Umbauten erhält man durch den Einbau einbruchhemmender Türen und Fenster ab der Widerstandsklasse RC2 einen guten Einbruchschutz. Hier ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion von Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag keinen Schwachpunkt gibt. Einbruchmeldeanlagen bieten besonderen Schutz.

- Das Interview führten Tom Nebe und und Simone Andrea Mayer, dpa

„Hallo, was haben Sie da zu suchen?!“ 

Fernüberwachung mit direkter Täteransprache sichert Gewerbeobjekte  

Ob Büro, Ladenlokal, Handwerks- oder Produktionsbetrieb bis hin zum Industriekomplex – kein Gewerbeobjekt ist vor einem Einbruch sicher. Oft entstehen Schäden, die die Versicherung nicht oder nur zum Teil übernimmt. Als Folge drohen den betroffenen Unternehmen Produktionsausfälle und Imageverlust. Zahlreiche gewerbliche Einbrüche könnten jedoch verhindert oder zumindest deren Schadenhöhe siginifikant reduziert werden, wenn die Firmeninhaber entsprechende Präventionsmaßnahmen ergreifen würden. Eine Lösung ist beispielsweise die Fernüberwachung mit Live-Ansprache der Täter, rät das Präventionsportal der Polizei.

Das Konzept der Fernüberwachung bieten bereits einige Sicherheitsunternehmen ihren Kunden für Büros, Gewerbeobjekte, Industriegelände und Privatimmobilien an. Die meisten Systeme funktionieren dabei auf den ersten Blick nicht anders als eine klassische Überwachungsanlage: Eine externe Servicezentrale oder ein Wachdienst werden alarmiert. Sie müssen den Einbruch verifizieren, bevor die Polizei gerufen werden darf. Die 24h-Live-Fernüberwachung mit Hilfe von Kameras, Mikrofonen und Lautsprechern setzt hingegen auf einen wirkungsvollen Schreckmoment durch die „Live-Täteransprache“. Auf diese Weise können Diebstahl- und Vandalismusschäden unmittelbar und in Echtzeit verhindert werden.

Die Idee dahinter: Sobald ein Täter eine Lichtschranke, einen Wärmebildsensor, ein Infrarotsignal oder ein Mikrofon auslöst, analysieren Wachleute in der Notruf- Servicezentrale die Bild- oder Tonsignale vom Einbruch. Der Wachhabende greiftanschließendlautstarkübereineaufgeschalteteSprachverbindunginsGeschehen ein und spricht den Täter direkt an.

Da sich der Einbrecher nicht mit dem Kennwort, das mit dem Betrieb vereinbart wurde, identifizieren kann, wird sofort eine Alarmkette in Gang gesetzt und die Polizei eingeschaltet. Die Schadenverhinderungsquote ist hoch: Durch diesen eindrucksvollen „Schreckmoment“ werden weitaus mehr Diebe und Einbrecher in die Flucht geschlagen als bei herkömmlichen Sicherheitslösungen, berichten die Präventionsbeamten.

Im Jahr 2015 registrierte die Polizei bundesweit insgesamt 523.037 Ladendiebstähle sowie Diebstähle aus Dienst-, Büro- und Lagerräumen. Jedes Jahr verursachen Einbrecher Schäden in Höhe von mehr als 300 Millionen Euro in Betrieben, Praxen und Firmenbüros. Die Aufklärungs- und Verurteilungsquoten bewegen sich weiterhin auf einem extremniedrigen Niveau. Tsp 

Knackpunkt Wohnungstür 

Sichere Schließzylinder beim Kauf nicht zu erkennen 

In Mehrfamilienhäusern ist meist die Wohnungstür der Angriffspunkt für Einbrecher. Bei fast der Hälfte der Wohnungseinbrüche versuchen die Eindringlinge, die Tür aufzuhebeln oder sie attackieren das Türschloss. Schaffen sie es nach maximal fünf Minuten nicht in die Wohnung, geben sie meistens auf. Je länger ein Türschloss also dem Einbruchversuch standhält, desto besser. Das gilt übrigens auch für Fenster und Nebeneingänge. Im einem Test der Stiftung Warentest hielt nur die Hälfte der geprüften Schließzylinder den Einbruchversuchen sehr gut stand, vier schützen nur mangelhaft.

Im Test waren zwölf Profilzylinder für Preise zwischen 14 und 92 Euro, fünf bieten Bohr- und Ziehschutz, sieben nur Bohrschutz. Sechs Modelle hielten erfolgreich Einbruchversuchen stand, für die nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung stand. Die schlechteren waren hingegen schnell zerstört und dann einfach zu öffnen. Vier Schließzylinder schützen nur mangelhaft vor Einbruchversuchen.

Die Tester empfehlen nach den Versuchen Türschlösser mit Bohr- und Ziehschutz. Deren Schließzylinder lassen sich nicht auf bohren und auch nicht mithilfe einer eingedrehten Schraube heraus-ziehen. Zwei Produkte von Dom und von Kaba für 77 bzw. 92 Euro überzeugten im Test. Wer sich für einen Zylinderentscheidet, der nur Bohrschutz bietet, sollte den Ziehschutz über einen damit ausgestatteten Türschild nachrüsten. Tsp

NACHRICHTEN  

Zahl der versicherten Einbrüche um 20 Prozent gesunken

Die deutschen Versicherer haben 2017 für Einbrüche so wenig Schadenersatz leisten müssen wie zuletzt vor acht Jahren – eine Trendwende beim Thema Einbruch sieht die Versicherungswirtschaft aber nicht. Wie der Branchenverband GDV mitteilte, betrugen die versicherten Einbruchsschäden 2017 rund 360 Millionen Euro. In den fünf Jahren zuvor hatten die versicherten Schäden jeweils rund 500 Millionen Euro ausgemacht. Zugleich sank die Zahl der versicherten Einbrüche um rund 20 Prozent auf 120000. „Die vermeintliche Trendwende beim Thema Einbruch ist aber eine Illusion“, erklärte GDV-Präsident Wolfgang Weiler. „Damit wir nicht wieder einen Anstieg wie vor zehn Jahren sehen, sind weiterhin alle Anstrengungen notwendig – das Niveau der Einbruchzahlen bleibt hoch, die Unterschiede zwischen den Bundesländern erheblich.“ Weiler plädierte für einen systematischen Einbau moderner Sicherheitstechnik in Neubauten. AFP

Einbruch beim Nachbarn entdeckt? Nicht den Helden spielen


Gute Nachbarn achten aufeinander. Doch was, wenn man plötzlich verdächtige Personen und möglicherweise Einbrecher auf dem Nachbargrundstück bemerkt? In solchen Fällen sollte man nicht den Helden spielen, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Wenn Sie etwas Entsprechendes beobachten, gilt es immer über die 110 die Polizei zu verständigen und weiter aufmerksam zu beobachten. Währenddessen am Telefon bleiben, um der Polizei fortlaufend Hinweise zu geben.“ Gut ist es auch, wenn man sich Kennzeichen eines verdächtigen Fahrzeugs notiert, die Fluchtrichtung von Tätern und Personenbeschreibungen merkt. dpa

Ungewollte Vertreter nicht ins Haus lassen

Vermeintlich günstige Angebote für Dienstleistungen im Haus können hohe Kosten nach sich ziehen. Denn mitunter werden Reinigungsdienste vor Ort mit Verkaufsgesprächen verbunden, wie die Verbraucherzentrale Brandenburg berichtet. In einem Fall aus der Praxis der Potsdamer Verbraucherschützer hatte eine Kundin eine Firma mit einer Heizkörperreinigung beauftragt. Vor Ort verkaufte der geschulte Vertreter der Frau dann allerdings noch eine Matratze für 1000 Euro, die die Kundin eigentlich nicht brauchte. Bei solchen Geschäften nutzen Anbieter den Überraschungseffekt, um dem Verbraucher einen Vertrag aufzuschwatzen, erklärt die Verbraucherzentrale. dpa
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