Sicherheit im Sommer - Prävention vor der Urlaubssaison

Auf ihn mit Gebell

Wer oder was schützt das Eigenheim am besten? Was Wachhunde Alarmanlage und Co. voraushaben

Der will nur spielen. Berner Sennhunde erleben ihre Halter oft als ausgesprochene Spaßmacher, die ein gutmütiges Wesen haben und bei Begegnungen meist freundlich „Wuff“ machen. Als Schutz- und Wachhunde sind sie eher ungeeignet, sagen die Profis. Foto: imago stock & people 
Der will nur spielen. Berner Sennhunde erleben ihre Halter oft als ausgesprochene Spaßmacher, die ein gutmütiges Wesen haben und bei Begegnungen meist freundlich „Wuff“ machen. Als Schutz- und Wachhunde sind sie eher ungeeignet, sagen die Profis. Foto: imago stock & people 
Von Reinhart Bünger

Wenn Einbruchserien die Nachbarschaft verunsichern, wird in vielen Haushalten überlegt und gerechnet. Was ist besser oder noch besser: eine Alarmanlage, die Kameraüberwachung, ein mannshoher Zaun? Gelegentlich kommen Eigenheimbesitzer spätestens zu diesem Zeitpunkt auf den Hund.

Viele Einbrecher schrecken vor der Anwesenheit von Hunden zurück, da sie zu bellen anfangen können – und Lärm mögen die Eindringlinge nicht. Teilweise hilft auch schon ein Hunde-Warnschild, damit es gar nicht erst zu einem versuchten Einbruch kommt. Es soll Einbrecher geben, die sich Hundehaushalte auf Karten von Google Earth mit einem Kreuzchen markieren, nachdem sie ihr Terrain ausgekundschaftet haben – hier kann ein Einbruch risikoreich werden. Sie wissen ja nicht, was sie vor oder hinter der Tür erwartet: Es kann ein „ganz Lieber“ sein, der plötzlich zur Bestie wird oder ein auf Krawall abgerichteter Kampfhund.

Doch „der beste Freund des Menschen“ wird heutzutage oft so erzogen, dass er möglichst wenig bellt. Professionelle Diebe stellen sich zum Teil auch auf die Tiere ein und versuchen, sie zu betäuben- oder gar zu töten. Hier kommen die Profis ins Spiel. So wie es zum Beispiel die Deutsche Wach- und Schutzhund Service GmbH in Blumberg an der nordöstlichen Stadtgrenze von Berlin gibt, die Hunde und Diensthundeführer für das kommerzielle Sicherheitsgewerbe ausbildet, so gibt es auch Ausbilder für den Hausgebrauch. Sie sind zum Teil im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Hennef organisiert.

„Als Wachhunde geeignet sind natürlich in erster Linie die Hunderassen, die sich im Gebrauchshunde-Sport bewegen, wie zum Beispiel der Deutsche Schäferhund, Malininois, Rottweiler, Dobermann, Hovawart, Airedale-Terrier, Riesenschnauzer, Boxer und Bouvier“, sagt Christa Bremer, im Präsidium des VDH für Hundesport zuständig: „Hier ist es schon einmal die Größe der Hunde, die allgemein abschreckend wirkt.“

Die Ausbildung der Hunde folgt verschiedenen Fährten: Während Diensthunde auf Kommando gefährlich werden sollen („Fass“), dürfen Haus- und Familienhunde so nicht abgerichtet werden. „Bei der Ausbildung zum Schutzhund lernen diese Hunde, jemanden zu verbellen, der dort nicht hingehört“, sagt Christa Bremer. Es geht darum, einen möglichen Täter am Fleck zu bannen und gegebenenfalls auch an der Flucht zu hindern. „Ganz wichtig ist die Distanzkontrolle aber in der Fortbildung zum Wachhund, auch das selbstständige Agieren des Hundes, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.“

Der Hund muss gehorsam bleiben. Das ist bei der Ausbildung ganz wichtig. „Man kann dem Hund Handlungsketten lernen, dass er weiß, wie er sich im Ernstfall zu verhalten hat“, sagt Klaus Stichnoth, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Er bildet mit seiner Frau im niedersächsischen Moringen Familienschutzhunde aus. Übertragen auf den Menschen, durchläuft der Schutz- oder Wachhund so etwas wie eine Schauspielausbildung: Er muss sich in bestimmten Kulissen sicher bewegen. „Sonst bellt er nur, wenn ein Einbrecher vor dem Zaun steht, schaut dann aber vielleicht dumm aus der Wäsche, wenn der Einbrecher den Zaun tatsächlich überwindet.“ Es kommt immer darauf an, wo und wie die Hunde eingesetzt werden sollen. Es wird mit ihnen auch Gegenstandsbewachung geübt. Im Tauschgeschäft werden bei gelungener Darbietung Leckerchen angeboten. „Ich sage immer meiner Frau, wir gehen jetzt schauspielern“, sagt Stichnoth, wenn er seinen Hunden den Einbrecher vormacht – oder den Hausmeister oder den Betrunkenen, die natürlich nicht in Angriff genommen werden dürfen. Ganz wichtig ist es, dass auch ein Wachhund ein sozialisierter Hund ist, der sich zunächst fremden Menschen und anderen Hunden gegenüber neutral zu verhalten hat – ähnlich wie der Schutzhund. „Der Hund darf nicht alles angreifen, was sich bewegt“, sagt der Familienschutzhundausbilder. Er darf nur in Notwehrsituationen reagieren. Für den Privatgebrauch ausgebildete Hunde dürfen nicht als Waffe eingesetzt werden.

Bei der Ausbildung geht es immer auch um das Thema Futterverweigerung. Sie kann für einen Wachhund lebenswichtig sein, da er so der Betäubung oder auch Schlimmerem entgehen kann. Stichnoths Hunde „wissen“ nach der Ausbildung, dass kein Futter von der Erde aufgenommen werden darf.

Von Kampfhunden als Wach- oder Schutzhunde hält Stichnoth nichts. „Die meisten sind zwar Schäfchen, aber durch falsche Erziehung kann, wie fast jeder Hund, auch dieser zur Kampfmaschine gemacht werden.“ Stichnoth hat sich deshalb auf den Deutschen Schäferhund konzentriert, „obwohl er nicht den besten Ruf hat“. Aber da weiß man, was man an ihm hat: „Weil wir die Vorfahren und die Blutlinien kennen.“ Es gibt die „Kommissar Rex“-Schönlinge und andererseits die athletischen Leistungsträger. „Die haben eben keine steil abfallende Rückenlinie und auch ein bisschen was in der Birne“, sagt Stichnoth. „Und sie sind nervenstark.“ Es ist ein bisschen wie in der Menschenwelt.

Die Ausbildung kostet mehrere tausend Euro

Stichnoth kann auf eine starke Nachfrage nach seiner Dienstleistung verweisen. Der VDH hat bis vor einigen Jahren sogar die Ausbildung zum Wachhund angeboten. Da dieses Angebot nicht oder so gut wie nicht genutzt wurde, werden auch keine Trainingskurse mehr angeboten, sagt Verbandssprecher Udo Kopernik.

Das mag auch an den Kosten liegen. Die Ausbildung ist zeitaufwendig. „Es können schon mehrere tausend Euro zusammenkommen“, sagt Stichnoth. Es kommt eben drauf an. Eine mit Außenkameras, Melderzentrale und Smartphoneüberwachung installierte Alarmanlage steht dem in nichts nach.

Stichnoth bildet selten Hunde aus, die ihm gebracht werden. Einerseits müssen sie bestimmte genetische Voraussetzungen mitbringen und andererseits kann es sein, dass die Hunde wieder in die alten Muster zurückfallen, wenn sich die Ursprungsfamilie sich nicht an die Verhaltensregeln hält. Deshalb vermittelt Stichnoth Hunde, die schon als Welpen zu ihm gekommen sind. „Schon der Welpe kostet 1000 bis 1500 Euro“, sagt der Niedersachse. Bei zehn bis 14 Monate alten Tieren weiß er nach dem ersten großen Blutbild schnell, was er hat. Die Hunde müssen schließlich gesund sein, sonst laufen alle Mühen am Ende ins Leere.

Stichnoth braucht für seine Ausbildung eine Genehmigung des Verterinäramtes und seinerseits achtet er auf die Seriosität der neuen „Herrchen“: Sie müssen sich erst mal bei ihm vorstellen und Händchen geben. Damit das Bauchgefühl stimmt.

Mehr Effizienz im Kampf gegen das Verbrechen

Die wichtigsten Punkte der Strafverfahrens-Reform

Arbeit erleichtern und den Schutz von Verbrechensopfern stärken: Diese Ziele verfolgt die Reform der Strafprozessordnung, welche das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg gebracht hat. Auf Grundlage des Eckpunkte-Papiers aus dem Bundesjustizministerium muss die Koalition nun noch einen Gesetzentwurf ausarbeiten. Die wichtigsten Neuregelungen im Überblick:

WOHNUNGSEINBRUCH

Bei Ermittlungen gegen Einbrecher soll die Polizei künftig in mehr Fällen als bisher die E-Mails und Telefonate von Verdächtigen heimlich überwachen dürfen. Bislang war das nur erlaubt, wenn die Taten serienmäßig von einer kriminellen Bande begangen wurden – die Polizei beklagt allerdings, dass diese Hürde den Ermittlern die Arbeit erschwere. Künftig soll die Überwachung auch bei einfachem Wohnungsdiebstahl möglich sein.

Voraussetzung ist, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Wiederholungstäter handelt. Zudem müsse der Fall „schwer wiegen“, heißt es in den Eckpunkten. Dies sei in der Regel nicht der Fall bei einer „Einzeltat, bei der nichts Wertvolles gestohlen wurde und die Privatsphäre der Geschädigten nicht intensiv beeinträchtigt wurde“.

DNA-ANALYSEN

Die Analyse von DNA-Spuren kann für Ermittler ein entscheidendes Instrument sein, um Täter zu identifizieren und zu überführen. Bislang durften Erbgutspuren, die etwa an einem Tatort gefunden wurden, zum Zweck der Strafverfolgung nur auf Abstammung und Geschlecht von Verdächtigen geprüft werden. Künftig sollen Ermittler die DNA-Analyse auch nutzen dürfen, um das Aussehen von Verdächtigen zu ermitteln – also etwa Haar-, Augen- und Hautfarbe sowie das Alter. Sie erhalten damit ein vollständigeres Bild des möglichen Täters.

GESICHTSVERHÜLLUNG VOR GERICHT

Prozessbeteiligte sollen künftig nicht mehr mit verhülltem Gesicht – etwa mit einem Schleier – vor Gericht erscheinen dürfen. Das Gesicht soll „weder ganz noch teilweise verdeckt“ werden dürfen, heißt es in den Eckpunkten. Das Verhüllungsverbot soll die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht gewährleisten. Bislang hatten Richter aber keine gesetzliche Grundlage, Prozessbeteiligte etwa zum Ablegen eines Schleiers aufzufordern. Diese Ausnahmen sollen künftig möglich sein, wenn es um den Schutz von Menschen geht – zum Beispiel im Rahmen des Zeugenschutzes.

Peter Wütherich, AFP

Wer oder was schützt das Eigenheim am besten?

Nach der letzten „Polizeilichen Kriminalstatistik“ sank die Zahl der Einbrüche im Jahr 2018. Zunehmende Präventionsmaßnahmen wie die mechanische Absicherung von Fenstern und Türen oder die Installation einer Alarmanlage zahlten sich demnach aus. Doch die Zahl der Diebstähle blieb in Berlin 2018 mit über 200000 Fällen auf einem hohen Niveau.

„Deshalb setzen viele Menschen weiterhin auf verschiedene Maßnahmen, um ihr Heim und ihre Privatsphäre zu schützen“, sagt Dirk Bienert, Geschäftsführer der Blockalarm GmbH. Er rät zur Einbruchprävention, einen einzelnen Raum sehr hell zu beleuchten und das Licht durch die Ritzen von Jalousien oder Rollläden hindurchscheinen zu lassen. Zudem können wachsame Nachbarn gegen Einbrüche schützen, da sich über sie Anwesenheit suggerieren lässt. Sie können Kontrollgänge vornehmen, Rollläden hochziehen und herunterlassen, Briefkästen leeren und Fremde ansprechen.

Einige Eigenheimbesitzer setzen auf Überwachungskameras beziehungsweise Überwachungssysteme aus vernetzten Smarthome-Modulen, die beim Anschlagen von Sensoren unter anderem die Aufzeichnung einer Kamera starten. Indes: Eine Kamera verhindert das Eindringen nicht. Kombiniert mit mechanischen Sicherungsmaßnahmen für Fenster und Türen bieten Alarmanlagen den vielleicht wirksamsten Schutz gegen Einbrecher. Qualitativ hochwertige Systeme lösen Alarm aus, bevor die Täter in Haus oder Wohnung eindringen. Reinhart Bünger

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