SICHERHEIT IN DER DUNKLEN JAHRESZEIT - Haus und Wohnung vor Einbrechern schützen

Wissen, wann der letzte das Licht ausmacht

Ob per App oder Funk gesteuert: Kabellose Alarmanlage haben ihre Tücken. Wer sie kennt, wohnt sicherer

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Erfolgreich ausspioniert. Wer seine Alarmanlage per App von unterwegs steuern will, muss doppelt auf Sicherheit achten. Manche Experten meinen sogar, sie habe im „Smart Home“ überhaupt nichts zu suchen. Foto: Daniel Maurer/dpa
Von Alena Hecker

Smart Home“ macht’s möglich: Von unterwegs per Knopfdruck das elektrische Garagentor schließen, im Wohnzimmer den Lichtschalter betätigen oder die Heizung anstellen. Verschiedenste Geräte und Programme lassen sich mittlerweile miteinander vernetzen und per App übers Smartphone steuern – auch die Alarmanlage.

Umso größer der Schreck, als das Computermagazin „c’t“ vor wenigen Monaten während eines Tests auf eine massive Sicherheitslücke bei den Anlagen stieß: Bei ihrer Recherche entdeckten die Redakteure Sven Hansen und Ronald Eikenberg hunderte offen übers Netz erreichbare Anlagen in aller Welt, in die sie sich ohne Probleme hätten einloggen und deren Einstellungen verändern können.

Über das Web-Interface der Alarmanlagen habe man vollen Zugriff auf alle Funktionen, schrieben die Redakteure in ihrem Artikel: „Man kann Steckdosen betätigen, die Sirene schrillen lassen oder die Anlage beliebig scharf und unscharf schalten.“ Viele Nutzer hatten zudem private Handynummern oder E-Mailadressen hinterlegt, um im Fall eines Alarms benachrichtigt werden zu können.

Besonders bedenklich: Über ihre IP-Adresse konnten potenzielle Einbrecher die Alarmanlagen geografisch grob orten und anhand des Anlagen-Logbuchs auch den Tagesablaufs des Besitzers auskundschaften: wann er morgens das Haus verlässt und den Alarm scharf stellt, wann er mittags zu Hause ist oder wann die Anlage in den Urlaubsmodus versetzt wird. „Das Missbrauchspotenzial ist erschreckend“, so das Fazit der beiden Redakteure.

Schuld an der Misere war ein kleines Detail, das viele Nutzer offenbar schlicht übersehen hatten: Um auch von unterwegs auf die Alarmanlage zugreifen zu können, muss sie im Netz freigegeben und dort mit einem Passwort geschützt werden. Viele Hersteller gaben dafür ein Standardpasswort vor und forderten bei der Installation von den Nutzern auch nicht explizit, dieses zu ändern. Die Folge: Hansen und Eikenberg hatten dank Standard-Login Zugang zu einer Vielzahl von Anlagen.

Mittlerweile sollte dieser Mangel laut „c’t“ von den Herstellern behoben sein – ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem. Redakteur Ronald Eikenberg appelliert darum an die Verantwortung der Anlagennutzer: „Wenn der Hersteller ein Passwort voreingestellt hat, sollten Sie es unbedingt ändern.“ In vielen Fällen könne man auch einen neuen Nutzernamen angeben, was für zusätzliche Sicherheit sorge. Beim Passwort sei die Länge der wichtigste Stellhebel: „Wählen Sie ein Kennwort, das so lang ist, wie Sie es im alltäglichen Einsatz verkraften können.

Voreingestellte Nutzernamen und Passwörter ändern

Groß- und Kleinschreibung, Zahlen und Sonderzeichen sorgen für zusätzliche Sicherheit.“

In Berlin berät Thomas Hildebrandt für das Unternehmen Werner Sicherheitstechnik regelmäßig Kunden rund um das Thema Alarmanlagen. Er sieht es allgemein kritisch, wenn diese beliebig von außen gesteuert werden können: „Smart Home ist eine tolle Sache, aber eine Alarmanlage gehört da nicht rein.“ Jeder wolle heute den Alarm mit einem mobilen Endgerät einstellen können, dabei sei aber vielen nicht bewusst, dass man sich mit dem Zugang von außen Sicherheitslücken einbaue: „Die Alarmanlage sollte ein in sich geschlossenes Sicherheitssystem sein.“

Wer sich für eine über Funk gesteuerte Anlage entscheidet, hat grundsätzlich das Problem, das andere Funksignale die Anlage stören könnten: „Je höher die Bevölkerungsdichte, desto höher die Funkdichte“, sagt Hildebrandt. WLAN-Netze, Funklichtschalter, Garagentoröffner oder auch Funkwetterstationen: Bei so vielen Signalen könne der Melder der Alarmanlage sich häufig nicht schnell genug mit dem System verbinden, um zu signalisieren, dass alles in Ordnung sei. Die Folge: ärgerliche Fehlalarme.

Gerade im Innenstadtbereich plädiert Hildebrandt darum für hochwertige Anlagen, die mehrere Frequenzen nutzen und so den für sie günstigsten Kanal auswählen können, um innerhalb des Sicherheitssystems zu kommunizieren. Zehn Jahre, so seine Schätzung, sollte ein Funkalarmsystem arbeiten können, bis man es erneuern muss.

Für die Haltbarkeit einer verkabelten Alarmanlage setzt der Fachmann 20 Jahre an. Die installiere man einmal und dann funktioniere sie; dank Verkabelung gebe es einen exklusiven Übertragungsweg. Auch seien die einzelnen Komponenten bei verkabelten Sicherheitssystemen günstiger. Allen, die sich mit dem Bau ihres Hauses beschäftigen, empfiehlt Hildebrandt darum, von vornherein auch die verkabelte Alarmanlage einzuplanen.

Wer jedoch für sein bereits existierendes Haus oder die Wohnung ein Sicherheitssystem braucht, hat mit einer über Funk gesteuerten Anlage die einfachere Lösung: Nirgendwo müssen umständlich Kabel verlegt werden, die Installation ist denkbar einfach. Gerade für Mieter sei die Funkanlage praktisch, findet Hildebrandt: „Die Komponenten hängen Sie an die Wand und nehmen Sie beim Umzug rückstandslos wieder mit.“

Zum Scharfstellen einen Chipschlüssel verwenden

Grundsätzlich empfiehlt der Experte, für die Sicherheit des eigenen Wohnraums lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und sich an zertifizierte Geräte zu halten, zum Beispiel vom Verband der Sachversicherer (VdS). Preislich gehe es hier bei rund 3500 Euro los. Allerdings leisteten auch einige nicht zertifizierte Anlagen einzelner Hersteller gute Dienste: Ein für die Stadtwohnung in einem mittleren Geschoss ausreichendes „Einsteigersystem“ gebe es zum Beispiel für 1500 Euro. Für einsame Häuser auf dem Land, wo es Einbrecher sehr viel leichter hätten, Funkfrequenzen auszuspionieren, sollte man dem Experten zufolge allerdings eine ausgefeiltere – und damit teurere – Funkanlage wählen.

Sicherer sei es zudem, die Alarmanlage weder mit dem mobilen Endgerät, noch mit einem Zahlencode scharfzustellen, denn dabei bestehe immer die Gefahr, dass sich Unberechtigte Zugriff auf die Anlage verschaffen. „Wenn es einen Code gibt, sollte jeder einen eigenen haben“, rät der Sicherheitsmann. Noch besser seien Transponder und Chipschlüssel, die in der Hand einer einzigen Person seien. Mit diesen Hilfsmitteln muss sich niemand Zahlenfolgen merken und keiner kann den Code hacken oder ausspionieren. Einzige Gefahr bei den Schlüsseln: Sie können verloren gehen.“

Studie: Leichtes Spiel für Langfinger

Die Deutsche machen es Einbrechern zu leicht, so das Ergebnis einer aktuellen Eigenstudie des Online-Marktforschungsunternehmens You-Gov. Denn jeder Dritte hierzulande verzichte auf zusätzlichen Schutz der eigenen vier Wände – obwohl 72 Prozent der Deutschen Angst vor Einbrüchen haben. Darauf weist die Bausparkasse Schwäbisch Hall hin. Gerade im Herbst und Winter sei diese Angst nicht unbegründet, wie die Einbruchstatistik 2015 zeige, sagt Carolin Schneider von Schwäbisch Hall.

Der Studie zufolge war jeder Achte schon einmal von einem Einbruch betroffen. Trotzdem hat sich nur einer von fünf Deutschen bereits zum Thema Einbruchschutz beraten lassen. Dabei könne die Zahl von mehr als 167000 Einbrüchen im Jahr 2015 bereits geringer ausfallen, wenn einfache Sicherheitsmaßnahmen ergriffen würden, sagt Schneider: „Eigentümer brauchen gar nicht viel Geld in die Hand zu nehmen. Zusätzliche Sicherheit, etwa für Fenster, Rollläden oder Kellerschächte, gibt es bereits für unter hundert Euro.“

Immerhin: Laut You-Gov-Studie hat mehr als jeder fünfte Deutsche bereits beim Balkon und bei den Fenstern nachgerüstet. Knapp ein Viertel setzt auf ein Sicherheitsschloss oder eine Verstärkung an der Haustür. Für mehr Sicherheit müssten keine großen Umbauarbeiten geleistet werden, erläutert Schneider: „Um beispielsweise bei Rollläden unerlaubtes Eindringen zu verhindern, genügt ein Sperrstift oder ein massiver Riegelbolzen.“

Beratung gibt es zum Beispiel bei der Polizei, die auch die Einbruchschutzkampagne „K-Einbruch“ gestartet hat (im Internet unter: k-einbruch.de). Dort gibt es Tipps zur Sicherung von Häusern, Wohnungen, Grundstücken und Fahrzeugen sowie die Kontakte der polizeilichen Beratungsstellen vor Ort. Tsp

NACHRICHT

Mieter dürfen Sicherheitsschlösser selbst einbauen

Mieter haben das Recht, ihre Wohnungstür selbst gegen Einbrecher aufzurüsten. „Der Vermieter darf den Einbau eines Sicherheitsschlosses nicht verbieten“, sagt Swen Walentowski von der Deutschen Anwaltauskunft. Allerdings muss er sich auch nicht an den Kosten beteiligen. Und er kann verlangen, dass Mieter das neue Schloss beim Auszug entfernen und das alte wieder einbauen. dpa
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