Sicherheit im Sommer - Wie Politik und Industrie die Einbruchszahlen senken wollen

Wohnungseinbruch als Wahlkampfthema

Härtere Strafen für Einbrecher – Problemlösung oder politisches Manöver?

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Alle dreieinhalb Minuten wird in Deutschland in eine Privatwohnung eingebrochen. Mehr noch als neue Gesetze dürften mechanische Sicherungen die Gefahren verringern. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Von Christiane Jacke

Bei diesem Thema mischen sie alle gerne mit. Das Kabinett beschließt höhere Strafen für Wohnungseinbrüche – und neben dem verantwortlichen Minister, Justizressortchef Heiko Maas (SPD), lassen es sich auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Fraktionschefs von Union und SPD nicht nehmen, die Neuerung vor Kameras zu kommentieren.

Es gehe um einen „klugen Mix“ von Maßnahmen, um die Menschen vor dem „Eindringen in ihre absolute Intimsphäre“ und vor materiellen Schäden zu schützen, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Freitag bei der ersten Lesung seines Gesetzentwurfs im Deutschen Bundestag. Sonst verstärke sich in der Bevölkerung das Gefühl, „nicht einmal in den eigenen vier Wänden sicher“ zu sein.

Nach den Reformplänen der Koalition soll Wohnungseinbruchsdiebstahl künftig mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren geahndet werden. Solche minder schweren Fälle soll es bei Einbrüchen in Privatwohnungen künftig aber nicht mehr geben. Das Delikt wird damit als Verbrechen eingestuft.

Union und SPD erhoffen sich neben der abschreckenden Wirkung durch höhere Strafen auch mehr Aufklärung durch eine bessere Ausstattung und zusätzliche Ermittlungsinstrumente für die Polizei. Die Aufklärungsquote lag im Vorjahr bei 16,9 Prozent. Bisher könnten also „mehr als 80 Prozent der Täter ihr Unwesen weitertreiben“, sagte Maas. So soll auch die Abfrage von Handy-Standortdaten möglich sein,um die oft bandenmäßig organisierten Einbrecher zu erwischen. Der Minister appellierte zudem an Hauseigentümer und Vermieter, ihre Gebäude und Mieter besser durch vorbeugende Maßnahmen gegen Einbruch zu schützen.

Das Thema Wohnungseinbruch ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Es trifft viele Menschen – und ist ein emotionales noch dazu. Denn Einbrüche nagen am Sicherheitsgefühl der Bürger. Jene, denen Fremde in die Wohnung eingestiegen sind, fühlen sich oft nicht mehr wohl in ihrem Zuhause.
Was hat die Bundesregierung beschlossen?

Für den Einbruch in eine „dauerhaft genutzte Privatwohnung“ soll künftig eine Mindeststrafe von einem Jahr gelten. Bislang greift hier ein Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren – und in „minder schweren Fällen“ eine Strafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Wie groß ist das Problem?

Es ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der Kriminalitätsstatistik. Seit 2008 gingen die Fallzahlen jedes Jahr nach oben – bis rauf auf mehr als 167000 angezeigte Fälle 2015. Im vergangenen Jahr sank die Zahl erstmals wieder: Gut 151 000 Wohnungseinbrüche wurden da gemeldet, mit einem Gesamtschaden von gut 390 Millionen Euro. Die Lage ist je nach Bundesland unterschiedlich. In einigen Ländern, etwa in Hamburg oder dem Saarland, gingen die Einbruchszahlen zuletzt runter. In Sachsen und Sachsen-Anhalt stiegen sie.

Wie viele Fälle werden aufgeklärt?

Nur eine relativ kleine Zahl. In den vergangenen Jahren lag die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen immer zwischen 15 und 17 Prozent. In 55 Prozent der aufgeklärten Fälle im vergangenen Jahr handelten die Täter allein, oft sind Einbrecher aber auch in Banden organisiert. Bei der großen Mehrheit der aufgeklärten Fälle 2016 waren die Tatverdächtigen keine Unbekannten für die Polizei, sondern vorher kriminell aufgefallen.

Wie sollen da höhere Strafen helfen?

Neben der Erhöhung des Strafmaßes ist auch vorgesehen, dass Ermittler bei Wohnungseinbrüchen künftig in bestimmten Fällen die umstrittene Vorratsdatenspeicherung nutzen dürfen. Das heißt, sie dürfen unter Bedingungen auf Daten zurückgreifen, die Telekommunikationsanbieter für bis zu zehn Wochen speichern müssen. Es geht hier um Daten, wer wann mit wem wie lange telefoniert oder simst, und wie sich jemand im Internet bewegt. Vier Wochen werden auch die Standortdaten von Handy-Gesprächen aufbewahrt. Daten zum E-Mail-Verkehr oder Kommunikationsinhalte dagegen nicht. Bislang ist der Zugriff auf diese Daten nur bei bestimmten Straftaten wie bei der Bildung von Terror-Gruppen, Mord oder sexuellem Missbrauch möglich. Bei Einbrüchen sollen Ermittler die Informationen künftig etwa nutzen,um herauszufinden, ob ein Tatverdächtiger Komplizen hatte. De Maizière hofft, dies werde helfen, die Täter besser zu finden.

Werden künftig mehr Daten gespeichert?

Nein. Die Polizei soll in Zukunft nur in mehr Fällen als bis lang auf ohne hingespeicherte Daten zugreifen. Für den Abruf der Informationen gibt es auch Hürden: Ein Richter muss den Zugriff erlauben.

In Nordrhein-Westfalen haben auch massenhafte Wohnungseinbrüche der rot-grünen Regierung die Wahl verhagelt. Das soll der SPD im September nicht noch mal passieren. Angesichts der Verunsicherung vieler Wähler will sie in der großen Koalition klare Kante zeigen. Justizminister Maas räumte indes ein, eine Verschärfung der Gesetze allein reiche nicht. Um die Aufklärungsquote zu erhöhen, seien deutlich mehr Polizisten nötig. Das meinen auch Politiker der Union. Auch Polizeigewerkschafter sind der Ansicht, ohne mehr Polizisten in den Ländern bleibe der gewünschte Effekt aus. Der Deutsche Richterbund sieht auch an anderer Stelle eine Lücke: Fahnder müssten auch die Inhalte von Gesprächen und Mails überwachen können. Die Linke hält die Strafverschärfung generell für zweifelhaft. Kriminelle würden davon nicht abgeschreckt, meint der Linke-Politiker und Ex-Polizist Frank Tempel. „Motiv für die Gesetzesverschärfung dürfte eher die (…) Bundestagswahl sein.“   dpa

Wie Notebooks und Smartphones geschützt werden

Security-Forscher warnen bereits seit langem vor den Gefahren durch smarte, mit dem Heimnetzwerk verbundenen IoT-Geräten (Internet of Things/IoT). Die Anwender riskieren dabei viel mehr als nur den Verlust des Zugangs zum Gerät. Das Ausnutzen einer einzigen Schwachstelle in einem Smart TV oder in jedem anderen mit dem Netzwerk verbundenen smarten Gerät kann dazu führen, dass die Angreifer sich im gesamten Heimnetzwerk bewegen und so Notebooks, mobile Geräte und selbst private Daten, die auf einem Network Attached Storage (NAS) gesichert sind, kompromittieren können. Wie können sich Privatanwender schützen können, hat das Portal zusammengetragen:
www.bitdefender.de

1. Informieren

Noch bevor ein IoT-Gerät für den Haushalt gekauft wird, sollte man sich umfassend informieren: über Funktionen, die Art und Weise, wie mit gesammelten Daten umgegangen wird und ob der Hersteller eine verlässliche Richtlinie bei Security- und Firmware-Updates verfügt.

2. Lange Passwörter einrichten
Das allererste, was jeder tun sollte, der ein neues IoT-Gerät mit dem Heimnetz verbindet, ist das Standardpasswort durch ein mindestens 8 bis 16 Zeichen langes neues Passwort zu ersetzen, dass sowohl Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen enthält. Es gibt IoT-Suchmaschinen, wie beispielsweise Shodan, die das Internet gezielt nach smarten Geräten ohne Passwort oder mit Stand-Passwort absuchen.

3. Separieren
Es mag ein wenig aufwendig erscheinen, aber das Einrichten eines separaten WLAN-Netzes nur für IoT-Geräte ist aus Sicherheitsperspektive sehr sinnvoll.

4. Regelmäßige Updates
In gleicher Weise wie Updates auf Security- und Betriebssystemen auf dem Notebook oder mobilen Geräten vorgenommen werden, muss dies auch für IoT-Geräte geschehen.   Reinhart Bünger


„Sie werden gefilmt, verlassen Sie mein Haus!“

Wie effektiv ist die Überwachung per Smartphone?

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Live und in Farbe können Hausbesitzer Einbrecher  bei der Arbeit beobachten       Foto: Inga Kjer/dpa
Mit gekonnten Handgriffen verschaffen sich die Einbrecher Zugang zum Haus. Doch sie bleiben nicht unbemerkt: Bewegungsmelder registrieren die unwillkommenen Gäste. Sofort gehen die Lichter im Haus an, Kameras starten die Aufzeichnung und senden eine Nachricht an den Hausbesitzer, der sich auf dem Smartphone direkt das Live-Bild des Einbruchs anschauen und etwa versuchen kann, die Eindringlinge zu verjagen. Etwa indem er sie aus der Ferne per Smartphone über einen vernetzten Lautsprecher in der Wohnung anspricht: „Sie werden gerade gefilmt. Die Polizei ist alarmiert. Verlassen sie sofort das Haus.”

Im vernetzten Zuhause ist so ein Szenario längst keine Zukunftsmusik mehr. Videokameras, Bewegungsmelder, Luftqualitätssensoren, Leuchten und viele weitere Geräte lassen sich miteinander vernetzen – auch zur Überwachung der eigenen vier Wände. Es gibt sogar Fenstersensoren, die das Öffnen von Fenstern registrieren, und Luftgütemesser, die den Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft messen.

Bei Überwachungssystemen aus vernetzten Smarthome-Modulen muss der Nutzer Regeln festlegen, was passieren soll, wenn bestimmte Sensoren anschlagen. Wird das Licht eingeschaltet? Startet die Kamera mit einer Aufzeichnung? Schickt das System eine Nachricht ans eigene Smartphone oder an das des Nachbarn, wenn man selbst im Urlaub ist? Günther Ohland kennt die ganze Bandbreite der Möglichkeiten. Mit den vernetzten Modulen sei eine effektive Überwachung möglich, sagt der Geschäftsführer der Initiative Smarthome.

Bei der Polizei werden die vernetzten Systeme noch zurückhaltend bewertet. Diese könne ein zusätzlicher Informationskanal zu einer geprüften Einbruchmeldeanlage sein, sagt Kriminaldirektor Andreas Mayer. Er steht dem Smarthome zum Einbruchschutz skeptisch gegenüber. Die Technologie sei gegenüber Hackern nicht vollends sicher, glaubt der Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention des Bundes und der Länder. Auf der anderen Seite handele es sich bei der Mehrheit der Einbrecher um sogenannte primitive Kriminelle. Diese „0815”-Täter würden kaum versuchen, Smarthome-Systeme zu hacken, sagt Mayer. Dennoch sollten Hausbesitzer auch damit rechnen, es mit technisch versierten Tätern zu tun zu bekommen. Smarthome-Experte Ohland rät daher, bei der Vernetzung möglich stauf Kabel zusetzen. WLAN sei nur ein Behelf: „Mit Störsendern kann der Funk lahmlegt werden.”

Im Idealfall steigen Einbrecher aber gar nicht erst ein, sondern lassen sich schon vorher abschrecken. Ein Beispiel: Der Fenstersensor schlägt an, weil jemand den Rahmen anfasst. Sofort geht im Zimmer dahinter das Licht an und aus Lautsprechern ertönt Hundegebell. „Da nimmt jeder Verbrecher Reißaus”, glaubt Ohland.

Andreas Mayer betont: Wer es ernst meint mit dem Einbruchschutz, sollte in einen soliden mechanischen Grundschutz investieren.Dazu zählen verstärkte Fenster, welche dem RC2-Standard entsprechen sollten. Sie lassen sich nur schwer einwerfen oder aufhebeln. Denn einmal im Objekt drin, handeln Einbrecher oft sehr schnell. „Profi-Banden aus Osteuropa durchwühlen ein Haus in zwei Minuten.” Das heißt: Selbst wenn das Smarthome-System die Einbrecher filmt und den Besitzer alarmiert: Ehe der bei der Polizei angerufen hat und die Beamten vor Ort eintreffen, sind die Täter sind in der Regel längst weg. Immerhin: Die Aufnahmen sind Beweismaterial.

Kameras sind also eine wichtige Komponente bei der Überwachung. Aber bei Sensoren können durchaus Fehlfunktionen auftreten, erläutert Nico Jurran vom „ct”-Fachmagazin. So könnte es etwa sein, dass ein Bewegungsmelder durch Äste irritiert wird. Es gibt auch schon Kameras, die nach einer Anlernphase Gesichter erkennen können, erklärt Jurran. Sie senden nur dann eine Nachricht auf das Smartphone, wenn Fremde in ihrem Blickfeld auftauchen.   Tom Nebe, dpa
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