Bewusst leben 

Ihn muss man haben 

Lässig, schick und nachhaltig: Der Norwegerpullover erlebt gerade ein modisches Revival. Im hohen Norden war der warme Strick nie out  

Cool und edel. Auch Christian Dior ließ sich in der Herbst/Winterkollektion 2016/17 vom typischen norwegischen Muster, der Selburose, inspirieren. Foto: imago/Zuma Press 
Cool und edel. Auch Christian Dior ließ sich in der Herbst/Winterkollektion 2016/17 vom typischen norwegischen Muster, der Selburose, inspirieren. Foto: imago/Zuma Press 
Von Klaus Grimberg  

Einstwar er das modische Erkennungszeichen eines alternativen Lebensstils: Kein anderes Kleidungsstück wurde auf Anti-Akw-Demos oder Friedensmärschen der späten 1970er und frühen 1980er Jahre häufiger getragen als der Norwegerpulli. Die bevorzugt selbst gestrickten Oberteile waren ein wollenes Bekenntnis zu ökologischer Nachhaltigkeit, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Dass die oft sackartigen Gebilde aus grob gesponnenem Rohstoff fast immer furchtbar kratzten, störte ihre in der Regel vollbärtigen und müslikauenden Besitzer wenig. Auch die dezente Note von Fjord und Schaf, die sich bei Kontakt mit Regen gern verbreitete, wurde eher als olfaktorischer Beleg für die Unverwüstlichkeit des Kleidungsstücks angesehen.

Von derlei Klischees hat sich der Norwegerpulli einige Jahrzehnte später längst erholt. Die Strickware mauserte sich in jüngster Zeit sogar zum angesagten Trendartikel. Das Deutsche Mode-Institut ernannte grobgestrickte Pullover für Männer jetzt zum „absoluten Highlight-Piece der Saison“. Aber Achtung: Strick ist nicht gleich schick. Ein Must-have in diesem Winter sind Pullis mit auffälligen Mustern. Dabei setzen Designer gern auf das mehrfarbige Garn Mouliné und körnige Strukturen.

Auch die Branchenzeitschrift „Textilwirtschaft“ schreibt euphorisch von „farbenfrohen Statement-Pullis“. En vouge seien neben Ringel- und Ethnomotiven vor allem die typisch norwegischen Jacquardmuster.

Im hohen Norden war der warme Strick ohnehin nie out. Schon vor Jahrhunderten haben skandinavische Frauen Pullover mit einem Kreuzmotiv auf der Vorderseite gestrickt, das böse Geister von ihren Kindern und Ehemännern fernhalten sollte. Die heute beliebten Motive wie Rentiere, Eiskristalle, Schneeflocken und Rauten sind erst später entstanden. Eines der wohl bekanntesten traditionellen Symbole ist der achtzackige Stern, auch Selburose oder Norwegischer Stern genannt. Entworfenwurde er gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Marit Guldsetbrua Emstad, die aus dem Ort Selbu in Mittelnorwegen stammte. Bis heute schmückt die Rose als Wahrzeichen das Wappen der Gemeinde.

Der „Mariusgenser“ in Norwegens Nationalfarben Blau, Rot und Weiß ist Kult

Fast schon Kultstatus genießt der „Mariusgenser“ in Norwegens Nationalfarben Blau, Rot und Weiß. „Als kleines Land, das lange von anderen regiert wurde, neigen wir dazu, Kleidung als Statement unserer norwegischen Identität zu sehen“, sagt Ingun Grimstad Klepp vom staatlichen Institut für Konsumforschung in Oslo. Der „genser“ (Norwegisch für Pullover) wurde nach dem Skifahrer und Schauspieler Marius Eriksen benannt.

Das modische Revival der Norwegerpullis führt selbstverständlich dazu, dass nur noch ein Bruchteil der „Norweger“ tatsächlich aus dem hohen Norden stammt. Und schon lange werden die meisten der Pullis nicht mehr aus Naturwolle gewebt, sondern aus herkömmlichen Kunstfasern. Was heute im Massenmarkt als Norwegerpulli verkauft wird, hat mit den namensgebenden Modellen nur noch wenig gemeinsam. Zwar sind sie gestrickt und haben bunte Muster, ansonsten gehen Designs und Qualität weit auseinander.

Wer sich auf die Suche nach einemwahren Norweger und hoher Qualität macht, der wird früher oder später bei Dale of Norway landen, national und international einer der Marktführer für hochwertige Pullis. In dem kleinen Dorf Dale an der Westküste Norwegens ging bereits im Jahr 1879 eine Textilfabrik in Betrieb. Ihr Gründer verband die Nähe zum Rohstoff Wolle mit der Innovation der Wasserkraft, für die er nahegelegene Wasserfälle nutzte. Weltweit bekannt wurde das Unternehmen, weil es seit 1956 Outfits der norwegischen Teams für die Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften entwirft.

Bis heute beruft sich die Firma auf eine ethisch einwandfreie, nachhaltige und umweltschonende Produktion: Die Schurwolle werde lokal bezogen, die Pullover nach wie vor in Norwegen hergestellt. Das hat natürlich seinen Preis: Die meisten Stücke kosten zwischen 200 und 300 Euro und sind damit um ein Vielfaches teurer als die Massenware in den Modeketten. Die Produktpalette reicht von schlichten, einfarbigen Modellen über sehr dezente Designs bis zu auffälligen Mustern in allen erdenklichen Farben. Natürlich gibt es zu sämtlichen Kreationen inzwischen passende Accessoires wie Mützen oder Schals.

Auch in einschlägigen Modeblogs haben sich Norwegerpullis von ihrem Öko-Schlabber-Image emanzipiert. Dort werden die Oberteile mit Attributen wie „kuschelig“, „praktisch“ und „sehr tragbar“ bezeichnet. Angesagte Designer schicken Männer im Norwegerlook über den Laufsteg. Junge Frauen posieren in Norwegerpullis, die zu kurzen Röcken oder engen Jeans getragen werden. Die nahezu unbegrenzte Kombinierbarkeit der gemusterten Strickware wird allenthalben als großer Vorteil hervorgehoben. Norwegerpullis gehen – bei kaltem Wetter – eigentlich immer, so die stilbewusste Meinung. Einziges No-Go seien in dieser Hinsicht „natürlich Birkenstocks“, befindet eine der jungen Autorinnen.

Die dicken Pullis zeigen auch die Naturverbundenheit der Norweger – und helfen ihnen, die eisigen Winter durchzustehen. „Frieren ist nicht norwegisch!“, meint Ingun Grimstad Klepp. (mit dpa)

Nachrichten

Möbelhäuser setzen auf digitale Einkaufshelfer

Wie sieht das Sofa wohl zu Hause aus? Passt es in die Ecke? Digitale Anwendungen als Unterstützung beim Einkaufen werden im deutschen Online-Möbelhandel nach Einschätzung von Firmen und Branchenexperten immer wichtiger. Augmented-Reality-Apps, mit denen Kunden über das Smartphone sehen können, wie Möbel zu Hause wirken, wird eine große Zukunft eingeräumt, sagt Martin Groß-Albenhausen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Zwar ist der Anteil des Internethandels am Gesamtumsatz der Möbelbranche mit sieben Prozent noch gering, wie der Handelsverband für Möbel und Küchen berichtete. Doch das Segment verzeichne hohe Wachstumsraten.

Auch bei Unternehmen ist die Augmented Reality auf dem Vormarsch. So will der schwedische Branchenriese Ikea gemeinsam mit dem US-Technologiekonzern Apple im Herbst eine neue Anwendung auf den Markt bringen. dpa

Gucci will künftig auf Tierpelz verzichten

Das italienische Luxusmodehaus Gucci verzichtet künftig auf Tierpelze. Ab der Sommerkollektion 2018 werde das Unternehmen keine Pelze mehr verwenden, sagte Unternehmenschef Marco Bizzari in London, wie Gucci am Donnerstag mitteilte. Während der Veranstaltung im London College of Fashion gab der Gucci-Geschäftsführer bekannt, der weltweiten Tierschutzallianz „Fur Free Alliance“ beizutreten, die sich für pelzfreie Mode einsetzt. Die noch vorhandene Pelzkleidung des Modehauses, das zum französischen Kering-Konzern gehört, soll versteigert werden. Der Erlös komme den Tierschutzorganisationen LAV und Humane Society International zugute.

Im Luxus-Modesegment haben bereits Hersteller wie Armani und Hugo Boss Pelz aus ihren Kollektionen verbannt. Die Präsidentin von Humane Society International bezeichnete den Pelzverzicht von Gucci als „bahnbrechend“. dpa 
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